Rezension: SummerTime (2 Personen-Spiel)

Wisst ihr eigentlich, dass ich auch schon lange vor meinem eigenen Blog Rezensionen geschrieben habe? Begonnen hatte ich damit beim „Institut für Jugendleiter und Qualifikation“, bei dem ich für den Bereich Bücher und Spiele verantwortlich war. Neben Büchern habe ich damals jede Menge Gesellschaftsspiele rezensiert. Auf meinem Kinderbuchblog habe ich das bisher eher selten gemacht, aber ich überlege, ob ich nicht auch öfter mal ein Spiel für die Familie vorstellen soll.

Backlist-Titeln

Zunächst einmal möchte ich in diesem Zusammenhang aber einen Backlist-Tag einführen. Einmal in der Woche lade ich euch hier alte Spiele- und Buchrezensionen von mir hoch. Die Seite, für die ich sie damals geschrieben hatte, ist leider nicht mehr online, aber einige Spiele und Bücher sind auch heute noch erhältlich und empfehlenswert. Also, lasst uns gemeinsam die alten Schätze wieder entdecken!

Kosmos Verlag

Einer meiner Lieblings-Spieleverlag war der Kosmos Verlag. Ich war damals drei Mal bei einem Pressetreffen in Darmstadt dabei. Dabei übernachtete man an einem Wochenende in einem Hotel und bekam die Spieleneuheiten vorgestellt. Sie wurden einem jedoch nicht nur präsentiert, sondern man spielte sie direkt auch selber bis tief in die Nacht hinein. Besonders cool war dabei, dass häufig auch die Spiele-Autoren und zum Teil auch die Illustratoren anwesend waren und die Spielregeln höchstpersönlich erklärten. So habe ich in Spielen Autogramme u.a. von Klaus Teuber („Die Siedler von Catan“), Michael Menzel (unter anderem bekannt durch „Die Legenden von Andor“) und Inka und Markus Brand (Autoren der „Exit-Spiele“).

Gesellschaftsspiele mit Autogramm

Spiele für zwei: SummerTime

Das Spiel von Inka und Markus Brand möchte ich euch heute auch als erstes an dieser Stelle vorstellen: „SummerTime“ (ein Spiel für 2 Personen) ist eines ihrer ersten veröffentlichten Spiele. Damals sagte einem Markus Brand in erster Linie etwas, da er der Sohn des ehemaligen Handball-Bundestrainers Heiner Brand ist. Mittlerweile dürften er und Inka Brand durch eine lange Liste an veröffentlichten Spielen unter Spielekennern durchaus bekannt sein.

Hier nun aber meine Rezension aus dem Jahr 2006, die im Herbst geschrieben wurde. Aber auch jetzt herrscht sicherlich in der aktuellen Situation bei vielen eine Sommersehnsucht, die einen Urlaub am Strand beinhaltet.

Lust auf Sommer und Urlaub?

So langsam ist für dieses Jahr der Sommer vollständig verschwunden. Die letzten Tage war es sogar so kalt, dass ich mich ständig in eine Wolldecke eingehüllt habe. Die Heizung habe ich noch nicht eingeschaltet, denn das würde ja endgültig den Herbst-/Winteranfang besiegeln. Wie gerne wäre ich jetzt, befreit von all dem Alltagsstress um mich herum, an einem schönen warmen, sommerlichen Ort. Doch dafür fehlt sowohl das Geld als auch die Zeit. Aber auch hier, im herbstlichen, regnerischen Deutschland, kann man dem Südseetraum ganz nah kommen. Einerseits hilft einem da natürlich das Träumen und das Reisen in der Phantasie weiter und andererseits kann man auch einfach das Spiel “SummerTime” auf den Tisch holen und sich spielerisch in die Südsee begeben.

Jede Menge Urlaub

Hier gibt es alles, was das Urlaubsherz begehrt: endlose Strände am Meer mit türkisblauem Wasser oder der Swimmingpool direkt am Haus, Palmen und buntschillernde, exotische Fische, die an Nemo erinnern, Bars mit leckeren Drinks und die Hängematte zur Entspannung und natürlich fehlt auch der romantische Sonnenuntergang nicht. Klar, dass jeder Spieler so viel wie möglich davon erleben möchte und so versucht man zunächst möglichst viele der Erlebniskarten zu ergattern, von denen man zu Beginn des Spiels bereits zwei als Startkapital auf der Hand hat. Für den Rest muss man jedoch bezahlen und zwar in Form von Naturalien: Jeder Spieler besitzt 15 Chips, von denen jeweils drei das gleiche Symbol abbilden (z.B. eine Kokosnuss oder eine Muschel).

Erlebniskarten erwerben

Auf dem Tisch liegen 3 der Erlebniskarten aufgedeckt vor den verdeckten Stapeln mit den weiteren Erlebniskarten, denn hier haben pfiffigerweise auch die Rückseiten der Karten eine Bedeutung und zwar zeigen sie jeweils die Kosten für die darunterliegenden offenen Karten an, so dass die Kosten für eine bestimmte Karte in jedem Spiel anders ausfallen können. Die Kosten belaufen sich immer auf drei Naturalien (wobei immer ein Symbol zwei Mal abgebildet ist; so könnte eine Karte beispielsweise zwei Muscheln und eine Blume kosten). Wenn man eine Karte haben möchte, so dreht man die entsprechenden Chips um und nimmt die Karte auf die Hand. Anschließend ist der andere Spieler an der Reihe, der nun ebenfalls eine Karte erwerben kann. Er kann jedoch auch passen oder seine bereits verbrauchten Chips umdrehen um sie wieder zur Verfügung zu haben.

Karten anlegen

Neue Karten werden erst aufgedeckt, wenn keine offenliegenden mehr vorhanden sind. Dies ist entweder der Fall, wenn sie restlos aufgekauft wurden oder wenn beide Spieler gepasst haben. Im zweiten Fall kommen die Karten aus dem Spiel. Wenn man eine Karte erworben hat (und nur in diesem Fall), dann hat man auch die Möglichkeit bis zu fünf Karten auszulegen, wobei immer an eine bereits liegende Karte angelegt werden muss (außer natürlich bei der ersten platzierten Karte). Eine weitere Beschränkung bildet das Feld, das nicht größer als 5 x 6 (oder 6 x 5) Karten sein darf.

Insgesamt wird nur ein Feld gebildet, an das beide Spieler anlegen. Für ausgelegte Karten erhält man direkt die auf der Karte angegebenen Punkte. Gut, es gibt ein paar Anlege-Regeln, aber so schwer hört sich das Auslegen ja nun nicht an, oder? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Einige Karten zeigen Bedingungen auf. Sie dürfen nur an bestimmte Karten angelegt werden, z.B. gibt es einen Cocktail nur an der Bar und eine Hängematte ohne Palmen macht auch wenig Sinn. Und dann gibt es noch Bedingungskarten, die keine normalen Punkte anzeigen, sondern eine Zahl mit Multiplikationszeichen. Dies bedeutet, dass beim Anlegen einer solchen Karte, der Wert der Karte, die der Bedingung entspricht, mit der Zahl multipliziert wird. Hier gibt es also eine ganze Menge Punkte zu holen, wenn man diese Karten geschickt ins Geschehen bringt – am besten über Eck an zwei passende Karten.

Spielende

Das Spiel endet, sobald die letzte Erlebniskarte gekauft wurde oder wenn das Auslageraster komplett gefüllt ist. Sollte man zu diesem Zeitpunkt noch Karten auf der Hand haben, so gibt es für jede Karte ganze 5 Minuspunkte. Ärgerlich, aber so ist es ja auch im Urlaub, wenn man es nicht schafft all die schönen Angebote wahrzunehmen. Gewonnen hat natürlich der Spieler, der die meisten Punkte erzielen konnte und somit mehr vom Urlaub hatte.

Den Urlaub gut planen

Von wegen – kein Stress im Urlaub! Hier muss man ganz schön nachdenken und planen um alle Erlebnisse optimal unterbringen zu können. Und nicht nur das Unterbringen bereitet Kopfzerbrechen, sondern schon der Erwerb der richtigen Erlebniskarten. Soll man es riskieren die hochwertige Multiplikationskarte noch zu nehmen, obwohl man noch nicht die dazu passende Bedingung auf der Hand hat bzw. die Karte noch nicht ausliegt oder sollte man besser in die risikofreien, jedoch nicht so punkteträchtigen Karten investieren? Und wann führt man die Erlebnisse am besten aus? Lieber noch ein wenig sammeln um so gute Kombinationen zu erreichen oder schnell die Karten ablegen, bevor es auf dem Feld eng wird? – Jaja, so ein Urlaub will gut geplant sein.

Klar strukturierte Regeln

Wenigstens taucht man durch die gut strukturierten Regeln mit Beispielen schnell in die Südseeatmosphäre ein. Man muss für diesen Urlaub nicht erst viele Kataloge wälzen, sondern man hat das Ziel nach einem kurzen Regelstudium direkt vor Augen. Die Bilder auf den Karten und Chips tragen auch dazu bei, dass man sich im eigenen Wohnzimmer schnell an die Südsee erinnert fühlt, wobei sie dem einen oder anderen vielleicht etwas zu kitschig aussehen.

Die Schachtel des Spiel ist leider eine Standardschachtel, die nicht für das Spiel optimiert wurde, so dass es keinen guten Aufbewahrungsplatz für die Chips gibt. Letztendlich lässt sich das Spiel jedoch gut in der Schachtel transportieren, da es bei dem wenigen Material auch nicht all zu schlimm ist, wenn die Chips beim Transport durcheinander fliegen.

Fazit

Insgesamt ist “SummerTime” ein schönes Spiel für zwei Personen, bei dem sowohl das Glück als auch die richtige Planung eine Rolle spielen. Man findet leicht in das Spiel hinein und auch das Spiel selbst geht zügig voran. Trotzdem sollte man auf Grund des Titels und der Illustrationen nicht der Annahme verfallen, dass es sich um ein naives Spiel handelt. Zwar sind Regeln und Ablauf simpel und das Glück (u.a. durch die Reihenfolge der aufgedeckten Karten in Abhängigkeit zu den am Anfang bekommenen Karten) ist auch nicht zu unterschätzen, aber dennoch lässt das Spiel Raum für eigene Strategien.

SummerTime” lässt nicht nur Spielelaune aufkommen, sondern vertreibt auch für 30 Minuten den Herbst in Deutschland.

Spiele für Zwei: SummerTime

SummerTime von Inka und Markus Brand, Kosmos Verlag, für 2 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer: ca. 30 Minuten

Ein paar Spiele-Rezensionen findet ihr übrigens auch bereits auf meinem Blog.

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