Rezension: Grundschule für Eltern

Zur Zeit müssen die meisten Kinder zu Hause schulische Aufgaben bearbeiten. Häufig können sie dies nicht komplett alleine erledigen und so tritt unweigerlich die Frage auf, welche Rolle die Eltern spielen. Eltern sind keine Lehrer und können diese somit auch nicht einfach eins zu eins ersetzen. Dass man sich zum Kind mal dazusetzt, schaut was es macht, es motiviert etc. ist sicherlich normal. Das kennen wir auch, wenn die Kinder ihre Hausaufgaben erledigen. Aber muss man dafür auch die Inhalte der Grundschule komplett selbst beherrschen?

Diese Frage stellte sich mir direkt, als ich das Buch „Grundschule für Eltern“ gesehen habe. Müssen Eltern sich noch mal durch die ganzen Themen der Grundschule kämpfen um ihr Kind zu unterstützen?

Ich war auf jeden Fall neugierig, was das Buch zu bieten hat. Es ist insgesamt in drei Teile eingeteilt: „Lernen lernen“, „Deutsch“ und „Mathematik“, wobei sich die drei Hauptkapitel durchaus voneinander unterscheiden.

Lernen lernen

Im ersten Teil geht es um Lernstrategien, Zeiteinteilung beim Lernen, Lernmotivation, Heftführung etc. Hier erfährt man, wie man sein Kind grundsätzlich sinnvoll beim Lernen unterstützen kann und welche Aspekte wichtig sind, um gut lernen zu können. Diese Informationen basieren auf wissenschaftlichen Kenntnissen und sind durchaus interessant. Außerdem bekommt man eventuell auch mehr Verständnis für sein Kind, warum manches beim Lernen nicht so gut funktioniert, während man gleichzeitig Tipps erhält, wie man die Voraussetzungen für einen Lernerfolg verbessern kann.

Dies ist ein Kapitel, welches ich grundsätzlich für begleitende Eltern als sinnvoll erachte. Hier geht es nicht um die inhaltlichen Schulaufgaben, die letztendlich die Schule vermitteln soll, sondern um eine hilfreiche Begleitung beim Lernen. Normalerweise bietet das Thema Hausaufgaben viel Potential für Stress und Streit zu Hause. Manchmal liegt dies nur daran, dass man z.B. einen ungünstigen Zeitpunkt für  die Erledigung dieser Aufgaben gewählt hat. Auf diese Aspekte wird  man hier aufmerksam gemacht.

Unterrichtsfach Deutsch

Weiter geht es mit dem Fach Deutsch. Hier war ich sehr erstaunt darüber, dass man hier jede Menge Aufgaben findet, die man mit seinem Kind machen kann. Natürlich werden auch Wortarten, Rechtschreibregeln etc. hier erklärt, so dass man dem Kind grundsätzlich bei Fragen dazu weiterhelfen kann. Aber hier werden auch zu allen Themen Aufgaben gestellt. Manchmal wird das Ganze als Spiel dargestellt, z.B. gibt es eine Teamrallye, bei der so schnell wie möglich die verschiedenen Zeitstufen (Gegenwart, 1. Vergangenheit, 2. Vergangenheit, Zukunft) von Verben in eine Tabelle eingetragen werden sollen. Naja, mein Sohn würde das nicht als Spiel ansehen, sondern als das, was es in Wirklichkeit ist: Eine weitere Schulübung. Ich weiß nicht, ob diese ganzen Übungen Lernmotivation bei Kindern auslösen können und ob nicht eigentlich gerade dieses gezielte Lernen viel mehr die Ängste und Sorgen bezüglich des Übertritts verstärkt.

Unterrichtsfach Mathematik

Der Mathematik-Teil wiederum ist anders aufgebaut. Einzelne Anregungen zu Übungen, die man selbst erstellen kann, findet man auch hier, aber der Schwerpunkt ist hier mehr auf Informationen zu den einzelnen Themen des Unterrichts gelegt. Und das finde ich durchaus hilfreich. Denn wenn Eltern bei den Hausaufgaben der Kinder zur Rate gezogen werden, ist es nicht verkehrt, wenn Eltern auch die Hintergründe der schriftlichen Rechenarten kennen, um Erklären zu können, was die Kinder da eigentlich machen. Manches hat man vielleicht selbst in der Schule auch noch anders gelernt und es ist für Kinder verwirrend, wenn man es ihnen zu Hause anders erklärt, als sie es in der Schule lernen. Hier lohnt sich also ein Blick in die Thematik.

Fit für den Übertritt

In dem Buch wird davor gewarnt, dass sich alles in der Schule auf den Übertritt konzentriert und es immer wieder nur darum geht, eine Gymnasialempfehlung zu bekommen. Auf der anderen Seite bekommt man in dem Buch im Bereich Deutsch viele Übungen, die die Leistungen des Kindes verbessern sollen. Auch hier geht es also letztendlich um Leistungen und den Übertritt. Ist es wirklich  notwendig bereits in der Grundschulzeit zusätzlich zu üben und immer wieder das Lernen so in den Vordergrund zu stellen (natürlich mit Beachtung wichtiger Pausen etc.)?

Ich bin mir nicht sicher, wie mir der Ansatz gefällt. Natürlich muss ich zugeben, dass es bei uns bisher keinerlei Probleme mit der Schule gibt und es in anderen Familien ganz anders aussieht. Ich verstehe auch die Ängste und Sorgen anderer Eltern rund um die Schule und ich sehe ebenfalls, dass es hilfreich ist, wenn Eltern ein paar Handreichungen erhalten, wie sie den Kindern helfen können. Eine ausgewogene Balance zwischen hilfreichen Tipps und zu ehrgeizigen Übungen ist hier sicherlich nicht einfach. So finde ich anregende Übungen, die man problemlos in den Alltag integrieren kann (z.B. Rechnen beim Einkaufen, Meinungsbildung durch Kindernachrichten) durchaus nicht schlecht, während ich zusätzliche Rechtschreibübungen in einem solchen Buch eher kritisch sehe.

Übersichtlich und verständlich

Die Erklärungen sind auf jeden Fall grundsätzlich verständlich geschrieben und man kann sich gut im Buch orientieren. Dabei hilft auch ein klar gegliedertes Inhaltsverzeichnis mit Überschriften, die genau angeben, worum es geht. Auch die Seiten selbst sind übersichtlich und ansprechend gestaltet. Häufig werden Grafiken und ähnliches eingesetzt, um Zusammenhänge verständlich darzustellen.

Dieses Buch ist übrigens nicht anlässlich der Corona-Krise veröffentlicht worden, sondern unabhängig davon Anfang des Jahres veröffentlicht worden. Die Begleitung der Kinder durch die Schulzeit ist immer ein Anliegen von Eltern. Inwiefern sie sich dafür mit den schulischen Inhalten auskennen müssen, ist sicherlich Ansichtssache. Festzuhalten bleibt einfach, dass das Lernen in der Schule und der Übertritt von der Grundschule auf die weiterführende Schule ein Thema ist, das Eltern intensiv beschäftigt.

Hilfreiche Handreichung

Insgesamt bin ich bei dem Buch zwiegespalten. Gerade mit Hinblick auf die Debatten, was Familien im Moment alles leisten müssen, erweckt es in mir den Eindruck, dass hier viel von zu Hause erwartet wird. Andererseits kann es auch eine wertvolle Hilfe sein, wenn Eltern ihre Kinder im schulischen Bereich unterstützen möchten. Man findet hier viele hilfreiche Anregungen, bekommt einen Blick dafür, auf welche Themen in der Schule Wert gelegt wird und wird selbst noch einmal fit in diesen Bereichen. Auch die grundsätzlichen Ideen zum Lernen selbst können einem die Augen öffnen und Familien und Kinder unterstützen.

Grundschule für Eltern

Grundschule für Eltern von Ursula Essigkrug und Anne Schieckel, Dorling Kindersley Verlag, ISBN: 978-3-8310-3918-0, 16,95€

Sucht ihr weitere Beschäftigungsideen für Zuhause, die sich gleichzeitig mit Lernen verbinden lassen, dann schaut euch doch mal die Lernkrimis oder die Bücher “Verrückt nach Mathe” an. Ich habe sie euch bereits in Rezensionen auf diesem Kinderbuchblog vorgestellt.

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