Rezensionen: Humorvolle Bilderbücher zum Thema Teilen
(Rezensionsexemplare) Teilen ist ein sehr interessantes Thema. Wann teilen Kinder und wann vielleicht auch nicht? Ist es erstrebenswert, dass man ihnen beibringt, zu teilen? Welche Gefühle lösen teilen aus?
Es gibt Situationen, in denen Kinder ganz unaufgefordert zum Beispiel ihre Süßigkeiten teilen. Dafür weigern sie sich in einem anderen Moment das geliebte Spielzeug mit anderen zu teilen. Was ist richtig? Was sollen sie lernen? Ich finde, grundsätzlich ist es gut, wenn Kinder teilen und anderen etwas gönnen können. Vieles macht gemeinsam mehr Spaß und es tut gut, anderen eine Freude zu machen und etwas gemeinsam zu erleben. Manch eine Sache oder ein Gefühl wird gerade erst durchs Teilen richtig groß und zu etwas Besonderem. Aber aus meiner Sicht kann es auch Dinge oder Momente geben, in denen es mal okay ist, wenn man nicht teilen möchte.
Heute stelle ich euch zwei tolle Bilderbücher zu diesem Thema vor: „Oma teilen“ und „ZIPP ZAPP Wiggedi Wagg – Eine Geschichte vom Teilen“
Bilderbuch: Oma teilen
In dem Bilderbuch „Oma teilen“ lernen wir zunächst Anna kennen. Sie mag es gar nicht, dass sie immer alles mit anderen Teilen soll. Nur ihre Oma muss sie normalerweise nicht teilen. Die hat sie ganz für sich allein und sie muss dort auch nichts teilen. Das ist wunderbar. Doch dann kommen die Ferien, in denen auch ihr Cousin Tarek bei Oma ist. Anna findet es ganz blöd, dass sie nun auch noch ihre Oma teilen muss. Anna und Tarek überlegen, wie sie Oma am besten untereinander aufteilen können. Kann einer den oberen Teil und einer den unteren Teil von ihr bekommen oder teilen sie es zeitlich auf? Alles gar nicht so einfach. Es entstehen ein paar lustige Situationen, denn Oma muss zum Beispiel gleichzeitig mit Anna Karten und mit Tarek „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen. Am Abend ist Oma ganz schön erschöpft. So geht es nicht weiter und so erleben sie den Rest der Ferien gemeinsam. Und das ist eigentlich viel schöner, denn Liebe wird tatsächlich mehr, wenn man sie teilt.
Liebe wird mehr, wenn man sie teilt
Das Buch zeigt wunderschön, wie viel mehr Spaß man hat, wenn man sich gemeinsam auf die Sache einlässt. Von Oma hat man auch ganz viel, wenn man sie mit dem Cousin teilt. Manches macht dann vielleicht sogar noch mehr Spaß, als mit Oma alleine. Gleichzeitig habe ich aber auch gedacht, dass es für ein Kind, das Geschwister hat, durchaus etwas besonders schönes sein kann, wenn es mal eine Person nur für sich hat. Und dass auch das durchaus wichtig ist und seine Berechtigung hat. Allerdings scheinen diese Bedingungen nicht auf die Geschichte zuzutreffen. Es ging mir nur durch den Kopf, dass ich den Wunsch Oma ganz alleine für sich zu haben, durchaus verstehen kann.
Insgesamt ist es aber eine tolle, humorvolle Geschichte, die kindliche Ideen und Gefühle aufgreift und gleichzeitig zeigt, wie schön es ist, wenn man sich aufs Teilen und gemeinsame Erleben einlässt. Oma wird nicht weniger, wenn man mit ihr etwas zusammen unternimmt.
Das Buch ist toll mit Bildern von Andrea Stegmaier illustriert. Sie zeigen ganz wunderbar und humorvoll die Situationen auf, die durch die Oma-Teil-Ideen der Kinder entstehen. Auch die Gedanken und Gefühle der Figuren werden in den Illustrationen sehr schön widergespiegelt. Ohne dass es thematisiert wird, kommen in den Bildern auch kleine Vielfältigskeitsmerkmale vor. Die Kinder haben unterschiedliche Hauttöne, Anna trägt eine Brille, der Junge hat einen Flamingo auf dem Schlafanzug, die Oma hat statt einer Kittelschürze eine Latzhose an und so weiter.

Oma teilen von Johanna Lindemann und Andrea Stegmaier, Annette Betz Verlag, ISBN: 978-3-219-12105-6
Bilderbuch: ZIPP ZAPP Wiggedi Wagg – Eine Geschichte vom Teilen
Bei dem Bilderbuch „ZIPP ZAPP Wiggedi Wagg – Eine Geschichte vom Teilen“ steht erst einmal der Vorlesespaß im Vordergrund. Es beinhaltet zwar auch die Botschaft, dass Teilen zwar schwer ist, sich aber oft lohnt, dennoch ist es zunächst einfach absolut lustig.
Das Buch spielt mit den Erwartungen der Leser:innen und biegt dann immer wieder in eine andere Richtung ab. Zusätzlich kommt das Lesen und Sprechen eines lustigen, ausgedachten langen Satzes dazu, der keinen Sinn ergibt und der natürlich sehr schnell mitgesprochen wird. Auch für Kinder ist der Humor in dem Buch schon erkennbar. Sie kringeln sich an einzelnen Stellen vor Lachen und nach dem Lesen wird sofort eine Wiederholung eingefordert.
Gehören bestimmte Laute einzelnen Tieren?
Zunächst einmal wird erzählt, welche Laute die Tiere machen. Die Kuh sagt „Muh“, das Pferd „Wihihi“ und so weiter. So wie man es eben kennt. Dann aber tritt das Problem auf. Das Schaf sagt „Mäh“ und die Ziege auch. Das geht so aber nicht. Als das Schaf dann einlenkt und etwas anderes sagen möchte, stellt es fest, dass auch „Oink“ schon von einem anderen Tier in Anspruch genommen wird. Welcher Laut ist denn überhaupt noch frei? Es überlegt sich etwas, was noch niemand gesagt hat: Zipp Zapp Wiggedi Wagg. Darauf folgen noch ein paar weitere Begriffe ohne Bedeutung, die ich hier aber nicht schreiben möchte, da es einfach so viel Spaß macht diese in dem Buch zu lesen. Mal schauen, wer sie als erstes fehlerfrei und auswendig aufsagen kann. Jedenfalls müsste es so doch auf der sicheren Seite sein, oder? Tja, auch da gibt es eine andere Wendung, denn ein Außerirdischer möchte diesen Ausdruck nicht „wiffeln“, wie sie bei ihm das Teilen nennen. Es entspinnt sich ein Gespräch übers Teilen bzw. Wiffeln. Alle finden das eine gute Sache – zumindest so lange bis es nicht darum geht, dies in die Tat umzusetzen.
Die Bilder zeigen hauptsächlich die Protagonisten der Geschichte, also die Tiere. Dabei kann man jedoch viel in ihren Gesichtsausdrücken lesen.
Ich finde dieses Bilderbuch sowohl vom Text als auch von den Illustrationen her einfach herrlich. Wir lesen es total gerne. Man kann natürlich über den Inhalt sprechen und die Botschaft vertiefen oder aber man hat hier einfach ganz viel Spaß an dem Buch. Ich kann es auf jeden Fall nur weiterempfehlen.

ZIPP ZAPP Wiggedi Wagg – Eine Geschichte vom Teilen von Matthew Diffee, übersetzt von Bettina Münch, Moritz Verlag, ISBN: 978-3-89565-498-5
