Rezension: Mat und die Welt

Teddy Mat ist ein richtiger Reisebär. Er liebt Abenteuer und ist immer gut gelaunt und gespannt, was ihn als nächstes erwartet. Und tatsächlich unternimmt er eine recht große Reise, welche in einer Fabrik in China startet. Zunächst geht es in die Niederlande, wo er in einem Geschäft als teures Geschenk gekauft wird. Später geht es dann nach Polen. Er ist durch Kakao beschmutzt und kostet in einem Gebrauchtwarenladen nur noch wenig Geld, so dass Kasia und ihre Mutter ihn mitnehmen können. Gemeinsam mit Kasias Familie reist Mat nach Ägypten. Hier wird er bleiben, wobei er seinen Besitzer auch hier noch einmal wechseln wird.

Ein Buch zum Nachdenken, aber ohne erhobenen Zeigefinger

Das Buch “Mat und die Welt” ist toll und regt zum Nachdenken an. Hier wird uns die Wegwerfgesellschaft vor Augen geführt. Was ist unseren Kindern, die einen ganzen Berg von Spielzeug haben, ein einzelnes Spielzeug wert? Wie stehen wir dazu, dass das, was wir unseren Kindern kaufen, in China und in anderen Ländern von Kindern hergestellt wird?

All diese Punkte werden in dem Buch angesprochen, aber dennoch kommt es nicht belehrend herüber und genau an dieser Stelle sehe ich den großen Wert dieses Buches. Mat ist ein sehr positiver Bär und es gefällt ihm überall, wo er hinkommt. Er wertet überhaupt nicht und ist überall glücklich, solange er in Gesellschaft ist und man freundlich zu ihm ist. Auch reiche Kinder spielen mit ihm und mögen ihn, aber natürlich hat der Teddy für die ärmeren Kinder eine deutlich höhere Bedeutung und das obwohl er nicht mehr perfekt und neu aussieht.

In dem Buch erfährt man einiges über andere Kulturen und Länder und wir bekommen Einblick in das Leben sehr unterschiedlicher Familien.

Der Weg eines Spielzeugs

Der Weg, den ein Spielzeug nehmen kann, ist sehr spannend. An manchen Stellen wird man richtig traurig: Ich kann es kaum ertragen, wie Kasia ihren früheren Lieblingsteddy im Hotel liegen lässt, damit sie ihren neuen Plüschhund mit nach Hause nehmen kann. Auch Kinder mögen das nicht und leiden mit Mat mit. Aber da Mat so positiv ist, hält diese Traurigkeit nicht lange an und man freut sich, dass er wieder in gute Hände gerät. Einerseits ist es schade, dass ein Spielzeug für manche so schnell an Bedeutung verliert und dass es von reichen Menschen direkt aussortiert wird, wenn es etwas beschmutzt wird, aber andererseits ist es auch schön zu sehen, welche Reise ein solches Spielzeug nehmen kann und dass es auch noch andere Menschen glücklich machen kann. Und vielleicht landet es auf diese Art und Weise sogar bei jemandem, der es viel dringender braucht, als das Kind, das sich bewusst von ihm trennt.

Ansprechend gestaltet

Es gibt in dem Buch ein paar kleinere Ungereimtheiten (Warum kann sich eine Familie einen Winterurlaub in Ägypten leisten, die ansonsten kaum das Geld für den gebrauchten Teddy hatte? Wie kam Mat auf einmal auf seinen richtigen Namen, der auf seinem Etikett steht?), aber letztendlich ist es insgesamt betrachtet ein empfehlenswertes Buch, welches sich gut vorlesen lässt.

Gut gefällt mir auch, dass die Ratte Artur, der Mat an zwei Stellen im Buch begegnet, schwierige Wörter unten auf den Seiten kurz erklärt.

Das Buch ist farbig illustriert, allerdings befinden sich nicht auf allen Doppelseiten Bilder. Auf den Bildern sind einzelne Figuren und Sachen recht großflächig dargestellt. Viele Details sucht man hier vergeblich, aber so bleibt der eigenen Fantasie viel überlassen. Von Mat bekommt man jedoch ein recht klares Bild.

Mat und die Welt von Agnieszka Suchowierska, illustriert von Tomasz Kaczkowski, übersetzt aus dem Polnischen von Ewelina Rockenbauer, Doppelgänger Verlag, ISBN: 978-3-9504403-1-7, 13,95€

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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