Rezension: Leopeule

Das neue Bilderbuch von Nina Hundertschnee (Knuddelfant, Professor Plumbums Bleistift) ist ganz besonders, denn es geht um eine besondere kleine Eule.

Die kleine Eule ist schon vor dem Schlüpfen besonders, denn ihr Ei sieht anders aus als das der anderen. Dann kommt sie später auf die Welt, hat andere Federn als die anderen Eulen, ist in allen Dingen langsamer als die anderen und verliert dadurch auch den Mut etwas auszuprobieren. Sie ist besonders, ohne etwas Besonderes zu können.

Besonders sein in einer Leistungsgesellschaft

Ja, man sagt immer jedes Kind ist etwas Besonderes und das stimmt natürlich auch. Oft steht dieser Satz aber im Zusammenhang mit Bemerkungen wie „Der eine kann gut Mathe, dafür kann der andere gut lesen“ oder „Eine malt eben besonders schön, dafür spielt die andere gut Fußball“ oder ähnliches. Was ist aber, wenn ein Kind in all diesen Vergleichen schlecht abschneidet? Weil es eben ganz besonders ist? Muss es dann akzeptieren, dass es überall als Verlierer dasteht? Nein, ganz bestimmt nicht. Denn auch wenn es in einer Leistungsgesellschaft leider oft um diese Dinge geht, so machen doch ganz andere Sachen einen Menschen aus, machen ihn einzigartig und besonders.

Und auch Leopeule kann sich auf einmal durch eine Sache besonders hervor tun. Sie nimmt ihre Umgebung aufmerksamer wahr als die anderen Eulen, denn sie ist nicht so schnell wie die anderen. Dadurch sieht sie als einzige die drohende Gefahr. Mit einem lauten Brüllen schafft sie es den Fuchs zu verjagen.

Ein Bilderbuch für alle Kinder und ganz besonders für alle besonderen Kinder

Hier im Bilderbuch hat man die kleine Eule, die so anders und besonders ist sofort lieb und leidet mit ihr mit, wenn ihr wieder etwas noch nicht so gut gelingt, wie den anderen Eulenkindern. Unser Herz öffnet sich sofort für diese besondere Eule. Hoffentlich tut es das auch bei allen Kindern, die besonders sind. Mir gefällt sehr gut, dass hier von besonderen und einzigartigen Eulen erzählt wird. Dies lässt sich natürlich sehr gut auf uns Menschen übertragen und die Botschaft, die dahintersteckt kommt auch auf jeden Fall an. Man hätte das Ganze auch mit Menschen erzählen können, aber ich denke dann wäre die Botschaft nicht ganz so universell wie mit diesem Beispiel. Bei einem Menschenkind hätte man klar benannt, aus welchem Grund es besonders ist. Auch hier hätte man das auf andere Fälle übertragen können, aber dennoch würde eine bestimmte Geschichte ganz im Vordergrund stehen. Jetzt kann man das Buch lesen und dabei einerseits Kinder mit einer bestimmten Beeinträchtigung im Kopf haben, die ganz besonders sind und unsere Welt durch ihre Einzigartigkeit bereichern. Man kann das Buch aber auch auf jedes einzelne Kind beziehen, denn natürlich ist jedes Kind auf gewisse Art und Weise etwas Besonderes. Ob es nun eine „offizielle Beeinträchtigung“ ist oder nur abstehende Ohren oder Tollpatschigkeit. Jeder ist einzigartig und bereichert mit seiner Art unser Leben.

Ganz wunderbar sind auch die Bilder in dem Buch. Sie strahlen eine gewisse Lebensfreude aus, auch wenn sie uns die Traurigkeit der kleinen Eule vor Augen führen.

Insgesamt ein tolles Bilderbuch, das ich allen Kindern nur empfehlen kann. Im Übrigen noch ein nettes Detail am Rande: Das Buch enthält auch viel tollen Sprachwitz! So macht das Vorlesen gleich noch mehr Spaß.

Bilderbuch: Leopeule

Leopeule von Nina Hundertschnee und Pe Grigo, Dragonfly Verlag, ISBN: 978-3-7488-0026-2, 14€

2 Gedanken zu „Rezension: Leopeule

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