Rezension: Romys Salon

Demenz und der Umgang mit kranken, älteren Angehörigen sind keine einfachen Themen. Sie betreffen aber viele von uns und auch die Kinder kommen mit diesen Dingen des Lebens natürlich in Berührung. Vieles kann beängstigend auf einen wirken. Die Situation ist neu, man weiß nicht wie man mit ihr umgehen soll, hat vielleicht auch niemanden an den man sich mit Fragen wenden kann. Da können Kinderbücher hilfreich sein. Sie können zeigen, dass man mit dem Thema nicht alleine ist, dass es anderen ebenso geht. Fragen können beantwortet werden und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Auf diese Weise kann ein Schrecken abgemildert werden und Kinder können sich lesend mit der Thematik vertraut machen.

Romys Salon

Ein warmherziges Buch zu diesem Thema ist „Romys Salon“, in dem Romy und ihre Oma Stine im Mittelpunkt stehen.

Seit ihre Eltern getrennt leben, geht Romy jeden Tag nach der Schule zu ihrer Oma, die einen Friseursalon besitzt. Eigentlich geht sie dort nicht gerne hin, denn die Oma ist nicht besonders freundlich zu ihr. Doch in letzter Zeit hat sich das ein wenig verändert und Oma benimmt sich ein wenig merkwürdig, zum Beispiel schleichen sich immer wieder Fehler in die Abrechnungen ein und das Geld ist nicht dort wiederzufinden, wo man es vermuten würde. Romy merkt, dass ihre Oma Hilfe braucht und bietet sie ihr an. Das Verhältnis zwischen Romy und Oma verändert sich positiv und beide beschließen, dass sie niemanden etwas davon verraten, dass Oma manchmal verwirrt ist. Sie bekommen es doch gut gemeinsam hin. Zumindest so lange bis Romy einer Kundin die Lockenwickler ins Haar drehen muss, weil Oma am Nachmittag noch im Nachthemd ist…

Oma und Enkelkind – eine besondere Beziehung

Sehr spannend an dem Buch finde ich, dass sich das Verhältnis zwischen Romy und ihrer Oma erst durch die Demenz positiv verändert. Erst als die Oma Schwächen zeigt und die Enkeltochter eine Hilfe ist, beginnen die beiden eine gute Beziehung zueinander aufzubauen.

Vom Erzählton her ist „Romys Salon“ ein positives Buch. Insbesondere zu Beginn wird die Demenz nicht negativ dargestellt, sondern sie trägt im Gegenteil zu einer guten Beziehung zwischen Romy und ihrer Oma bei. Dennoch wird die Krankheit hier keinesfalls verharmlost. Später kommen die negativen Auswirkungen, wie zum Beispiel die Aufgabe ihres Salons, der Umzug in eine Betreuungseinrichtung sowie ein Verhalten, das Romy ängstigt, hinzu. Aber der liebevolle Blick auf die Oma, der sich in den Wochen zuvor aufgebaut hat, bleibt erhalten. Romy möchte ihrer Oma helfen und sie unterstützen. Sie möchte ihr auch mit der Demenz ein gutes Leben ermöglichen. Diese positive Energie überträgt sich beim Lesen und man bekommt das Gefühl, dass eben auch bei einer schlimmen Diagnose wie Demenz nicht alles nur noch schwarz und traurig ist. Der Zusammenhalt innerhalb einer Familie wird nun wichtig.

Aus Kindersicht erzählt

Erzählt wird alles aus Romys Sicht, was dem Buch trotz des Themas eine gewisse Leichtigkeit gibt. Romy kommentiert alles aus Kindersicht. Sie ärgert sich über manches Verhalten der Erwachsenen, sie wird wütend und versteht nicht alles, aber sie geht auf die Oma unvoreingenommen zu und bietet ihre Hilfe dort liebevoll an, wo sie von Nöten ist. Die Veränderungen in ihrem Leben durch Omas Demenz, die weder die Oma noch Romy zunächst wahrhaben wollen, verunsichern Romy, insbesondere da sich ihr Leben gerade durch die Trennung der Eltern bereits verändert hat. Auch dies ist ein Thema des Buches, auch wenn erst einmal die Demenz der Oma im Mittelpunkt steht. All dies spielt aber bei Romys Erzählung eine Rolle. Alle Empfindungen fließen mit ein und lassen die Geschichte somit äußerst authentisch wirken.

Das Buch lest sich sehr gut lesen. Man möchte unbedingt wissen, wie es mit Romy und ihrer Oma weitergeht und wie lange sie die Krankheit der Oma überspielen und verstecken können.

Romys Salon von Tamara Bos, übersetzt aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann, Gerstenberg, ISBN: 978-3-8369-5626-0, 14,95€

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

Auf dem Blog Kinderbuch-Detektive werden dieses Buch sowie weitere Kinder- und Bilderbücher zum Thema Demenz ebenfalls vorgestellt

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