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Wenn Kinder etwas bestimmen möchten…

So unterschiedlich Kinder auch sind, es gibt immer wieder Themen, die wohl allen Eltern bekannt sein dürften. Oder ärgert sich euer Kind etwa nicht darüber, dass es nie Bestimmer sein darf? Also, für Bücherwürmchen ist das eine ganz wichtige Sache. Er möchte bestimmen und er findet es doof, dass immer wir Eltern oder im Kindergarten die Erzieherinnen das Sagen haben. Auch wenn immer ein und dasselbe Kind über das Spiel bestimmt, beschwert er sich, und auf seinen Geburtstag freut er sich unter anderem, weil man da dann ja wohl bestimmen darf…
Dieser Wunsch etwas bestimmen zu dürfen, ist auch in der Kinderbuchwelt angekommen und so kann ich euch heute gleich drei Bücher zu diesem Thema vorstellen.
Beginnen möchte ich mit dem Buch von Mo, den wir bereits durch seinen Wunsch nachts wachbleiben zu dürfen, kennen lernen durften (Mo – Ich bin jetzt wach!). Nun möchte Mo der Bestimmer sein: Mo – Heute bestimme ich!
Mo malt sich in den buntesten Farben aus, was er alles bestimmen würde: Zum Frühstück gibt es natürlich nur Süßigkeiten, Kinder dürfen Auto fahren, er bekommt einen Wombat als Haustier, es geht zum Rummelplatz und in die Eisdiele und zu Hause soll ein eigenes Meer entstehen. Mo hat lauter tolle Ideen, aber Mama und Papa müssen ihm leider sagen, dass sich seine Pläne so nicht umsetzen lassen. Als sie ihm auch noch erzählen, dass auch sie nicht alles bestimmen können, da es Regeln und Gesetzt gibt, staunt Mo, aber am Ende ist er damit einverstanden, dass er sonntags bestimmen darf, was er anzieht, und zu dem Ausflug in den Zoo sagt er natürlich auch nicht nein.
Die Geschichte von Mo gefällt mir wieder sehr gut. Sie greift ein Thema auf, welches Kinderbeschäftigt, und geht sehr spielerisch damit um. Mo lässt hier seine Fantasie spielen und es geht nicht nur um alltägliche Dinge, bei denen zwischen Eltern und Kindern schnell ein Konflikt entstehen kann. Auf diese Weise ist es eine leichte und lockere Geschichte, die sich gut lesen lässt. Zur guten und lebendigen Atmosphäre tragen auch wieder die bunten, fröhlichen Illustrationen bei. Die Menschen wirken auf den Bildern einfach sehr sympathisch.
Für mich gewinnt das Buch aber auch durch den Anhang, in dem Mos Ideen noch einmal thematisiert werden. Wer darf wann was bestimmen? Sind es wirklich immer nur die Eltern, die alles bestimmen dürfen? Hier wird schnell deutlich, dass sich einerseits auch die Eltern anderen Regeln fügen müssen (Gesetze, Bestimmungen der Karussellbesitzer…) und dass andererseits auch Kinder gewisse Sachen entscheiden können. Zwar bestimmen die Eltern, was z.B. auf den Frühstückstisch kommt, aber das Kind kann selbst entscheiden, was es davon isst.

978-3-8339-0338-0-Zimmermann-MO-Heute-bestimme-ich-org

Mo – Heute bestimme ich von Bettina Zimmermann und Annabelle von Sperber, Baumhaus Verlag, ISBN: 978-3-8339-0338-0, 12,99€

Diese Aufgliederung gefällt mir gut, da ich eine ähnliche Sicht darauf habe: Die Eltern stecken den Rahmen, in dem die Kinder selbst Entscheidungen treffen können (wobei die Kinder natürlich immer mehr bestimmen dürfen, je älter sie werden). Ob Zeit zum Spielen ist, schaue ich als Mutter, aber mit wem Bücherwürmchen sich verabredet, entscheidet er selbst. Ich nenne ihm eine Anzahl an möglichen Geburtstagsgästen, er setzt die Namen auf die Liste. Süßigkeiten gibt es nur zu bestimmten Zeiten (z.B. nach dem Mittagessen). Dann aber darf er sich selbst etwas aus dem Korb aussuchen. Zum Thema Klamotten sage ich fast gar nichts mehr. So lange es zum Wetter passt, lasse ich ihn da frei entscheiden – auch wenn mir seine Kombinationen häufig nicht gerade gefallen…
In einem gewissen Rahmen darf Bücherwürmchen also ein paar Sachen selber bestimmen, aber noch sind wir nicht so weit, dass er bei größeren Entscheidungen ein Mitspracherecht hat. Ab und zu darf er sich mal aussuchen, was es zum Essen geben soll, und natürlich behält man auch ohne dass man darüber spricht seine Bedürfnisse im Blick (z.B. beim Essen, bei Urlaubsreisen, bei Ausflügen etc.), aber wir Eltern bleiben diejenigen, die die letzten Entscheidungen treffen. Meines Erachtens müssen Kinder auch nicht immer alles mitbestimmen, wobei hier natürlich auch das Alter des Kindes eine große Rolle spielt. Ein demokratisches Grundverständnis wäre andererseits aber auch schön… Wie turbulent es in einer Familie zugehen kann, wenn alle bestimmen wollen und jeder ganz demokratisch ein Mitspracherecht bekommt, zeigt das Buch „Jetzt bestimme ich, ich, ich!
Anki ist schon sieben Jahre alt, klar, da ist man groß und kann somit selbst bestimmen. Dann möchte Spätzchen das aber auch. Dass er jünger als Anki ist, interessiert ihn dabei nicht. Das Ganze hat jedenfalls zur Folge, dass sich die Kinder nichts mehr sagen lassen wollen und es auf einmal jede Menge Streit bei Familie Wiefel gibt. Selbst die Essensfrage eskaliert nun und die Familie testet verschiedene Ideen eine Einigung zu erreichen, wobei sie feststellt, dass das gar nicht so einfach ist.
Beim Bestimmer-Karussell, bei dem einer über den anderen bestimmt, dreht sich alles nur im Kreis, aber einer Lösung nähert man sich nicht. Dafür ist die Familie nun um das Haustier Schildkröte Rainer-Maria reicher, denn ohne sie hatte Spätzchen niemand, über den er bestimmen konnte – okay, ein etwas zweifelhafter Grund um sich ein Haustier anzuschaffen…
Die Idee, dass alle Vorschläge umgesetzt werden, führt zu Stress und man hetzt nur noch von einer Sache zur nächsten: Einmal schnell über die Wasserrutsche im Schwimmbecken landen und dann ab in den Tierpark, die Tiere werden m Vorbeirennen gefüttert, denn der Rasen soll noch gemäht werden und auf dem Flohmarkt will das eine oder andere Schnäppchen entdeckt werden…
Die Verlosungsaktion geht ebenfalls in die Hose: Zunächst wird so die Schildkröte Bestimmer und alle kriechen auf dem Boden herum und als dann ausgelost wird, wer was macht, bekommt die Mutter die skurrile Aufgabe für Anki die Schönschrift zu üben…
Die demokratische Abstimmung bekommt als nächstes ihre Chance, aber sie scheitert ebenfalls, denn immer wieder kommt es bei der Frage, was eingekauft werden soll zu einem Gleichstand…
Nach ein paar weiteren erfolglosen Anläufen die Dinge in der Familie zu regeln, einigen sich alle darauf, einen Bestimmer zu wählen. Da aber jeden Sonntag neu gewählt wird, sollte der Bestimmer auch die Bedürfnisse der anderen im Blick haben, denn sonst hat er wohl kaum eine Chance wieder gewählt zu werden. Zum Glück wählt Spätzchen nicht wie die anderen sich selber, sondern gibt einfach zwei Stimmen ab: Mama und Papa. Von da an funktioniert alles wieder ganz gut und Mama und Papa dürfen fast jede Woche die „Regierung“ stellen.
Das Buch zeigt, dass Demokratie in einer Familie, in der viele verschiedene Interessen aufeinandertreffen, gar nicht so einfach ist, aber es zeigt eben auch, dass es durchaus wichtig ist, sich einerseits gemeinsam zu einigen und dass es andererseits nur Chaos und Streit gibt, wenn alle gleichzeitig bestimmen wollen. Es hat also durchaus seinen Sinn, wenn es jemanden gibt, der die Fäden zusammenhält und ein wenig den Weg vorgibt.
Auch dieses Buch widmet sich dem Thema „bestimmen“ sehr humorvoll. Es ist ein Buch, welches Spaß macht und man verfolgt gespannt, wie Familie Wiefel aus diesem Schlamassel wieder heraus kommt. Auch die Bilder sind fröhlich und stecken voller Leben. Sie illustrieren das Gesehen sehr treffend.
Mir gefällt das Buch wirklich sehr gut, allerdings zögere ich dennoch es Bücherwürmchen zu zeigen, da ich auch keine schlafenden Hunde wecken möchte. Abstimmungen und gewählte Regierungen brauche ich hier wirklich noch nicht… Vielleicht wenn er mal älter ist…

Jetzt bestimme ich, ich, ich!

Jetzt bestimme ich, ich ich! von Juli Zeh und Dunja Schnabel, Carlsen Verlag, ISBN: 978-3-551-51816-3, 14,99€

Momentan kann er sich lieber in dem Buch „ALLES hört auf MICH! – Das Bestimmer-Buch“ anschauen, wo es überall Bestimmer gibt. Für Kinder ist es tatsächlich eine spannende Entdeckung, dass es ganz viele verschiedene Bestimmer gibt. Dazu gehört natürlich der König, aber auch der Richter, der Kapitän oder der Feuerwehrkommandant. Sie alle und noch einige mehr werden in dem Buch in kurzen, erläuternden Sätzen vorgestellt, wobei sogar die englischen Bezeichnungen nicht fehlen (warum es diesen Zusatz gibt, ist mir allerdings nicht ganz klar). Allein zu lesen, wer wie und in welchem Rahmen bestimmt, ist für Kinder interessant. Sie erfahren hier wie im Buch über Mo, dass niemand überall Bestimmer ist.
Dieses Buch möchte allerdings mehr sein als ein reines Buch zum Vorlesen. Es möchte zum Rollenspiel anregen. Die Vorstellungen der Personen lassen sich also im Prinzip als Rollenbeschreibungen lesen. In welche Rolle möchte das Kind schlüpfen, wen möchte es verkörpern? Auf der letzten Doppelseite des Buches findet man dann auch noch Spielregeln für das Bestimmer-Spiel.
Bücherwürmchen schaut sich das Buch gerne an. Er findet die auffälligen Illustrationen, die comicartig insbesondere die Gesichtszüge der Figuren übertrieben darstellen, zwar einerseits merkwürdig und nicht schön, aber er muss sie sich dennoch immer wieder (fasziniert?) anschauen. Er findet er interessant, wer alles wie bestimmt, auch wenn er selbst natürlich am liebsten der König wäre. Zum Rollenspiel regt ihn dieses Buch nicht explizit an, was aber wohl auch daran liegt, dass er eh schon häufig in Rollen schlüpft. Und mit seinem König-, Ritter-, Römer- oder Piratenspiel ist er so zufrieden, dass er keine weiteren Anregungen braucht und ich weiß auch nicht, ob sich die Vorstandsvorsitzende wirklich so gut für das kindliche Rollenspiel eignet.
Das Buch gefällt mir aber dennoch sehr gut. Allein die Idee verschiedene Bestimmer nebeneinander zu stellen und ihre Rollen ein wenig zu definieren, finde ich klasse. Und vielleicht kann man nach der Lektüre tatsächlich in dem einen oder anderen Kinderzimmer auf einmal vermehrt Könige, Häuptlinge, Kapitäne etc. beobachten und hat die Kommandeure nicht mehr ausschließlich am Essenstisch sitzen…

Cover_KillingerBestimmerbuch

ALLES hört auf MICH! Das Bestimmer-Buch von Bernd Killinger und Thomas Raif, Bilderbuchverlag Bernd Killinger, ISBN: 978-3-98176-120-7, 14,90€

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