Bilderbücher helfen dabei die Welt zu erkunden, aber was ist, wenn sie falsche Tatsachen suggerieren?

Richtige Fehler haben in Büchern natürlich nichts zu suchen. Das gilt für Erwachsenenliteratur und Kinderliteratur gleichermaßen. Was ist aber mit Darstellungen, die der Fantasie entspringen, aber zu falschen Annahmen führen könnten? Einige davon sind mir in Bilderbüchern aufgefallen:

Es geht nicht um wirkliche Fehler in den Büchern, denn es sind alles Bücher, die keine Sachbücher sind und in denen es um fantasievolle Geschichten geht. Es wird keinen Anspruch auf richtige Fakten oder ähnliches gelegt und in der Fantasie ist natürlich vieles möglich. Allerdings gibt es Dinge, die man sich zwar sicherlich so ausdenken kann, die aber schnell dazu verleiten, dass Kinder (und auch Erwachsene) davon ausgehen, dass diese Dinge der Wirklichkeit entsprechen. Ich werde nun ein paar Beispiele nennen, die mir in letzter Zeit begegnet sind.

Eisbären und Pinguine: Schon in dem Pinguin-Lied von Fredrik Vahle müssen Pinguine vor dem Eisbären fliehen und da beide Tiere in kalten Regionen leben, liegt die kindliche Vermutung sicherlich nahe, dass die Tiere tatsächlich in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander leben, was natürlich nicht stimmt. Aber Lieder und Bücher suggerieren durch solche Texte schnell, dass etwas an diesem logischen Weltbild dran ist. In dem Buch „Professor Pfeffers tierisches Abenteuer: Ein Schau- und Suchbuch“ von Katrin Wiehle (Beltz & Gelberg) ist mir dieses Phänomen erst kürzlich wieder aufgefallen. Professor Pfeffer befindet sich in Eis und Schnee und trifft dort sowohl auf Eisbären als auch auf Pinguine. Da es sich hier nicht um den Nord- oder Südpol handelt, sondern eben um das Leben in Eis und Schnee, ist die Darstellung natürlich an sich nicht falsch, allerdings kommt nun noch hinzu, dass man auf jeder Seite ein Tier finden soll, welches nicht dort hingehört. Nun könnten sich pfiffige Kinder über die Eisbären oder die Pinguine wundern, die richtige Lösung ist jedoch das herbei schwimmende Nilpferd.

Was befindet sich im Höcker eines Kamels? Die Antwort darauf lautet häufig Wasser, richtig wäre jedoch Fett. Leider wird die falsche Annahme auch mit dem Bilderbuch „Super-Marienkäferchen…ist schon auf dem Weg“ von Guido van Genechten (Aracari) untermauert. Natürlich ist in dem Buch vieles völlig absurd und erfunden und auch die anderen Hilfsaktionen des Marienkäferchens beruhen selbstverständlich nicht auf wahren Begebenheiten, aber dennoch finde ich es schade, das Marienkäferchen dem Kamel hilft, in dem es Wasser in seine Höcker pumpt.

Länder und ihre Hauptstädte: Es gibt so ein paar Länder, bei denen man, wenn man sich nicht so gut auskennt, intuitiv eine falsche Stadt als Hauptstadt benennen würde. Dazu gehört zum Beispiel auch Spanien. Hier gibt es einige Menschen, die statt Madrid auf Barcelona als Hauptstadt tippen würden. Nun wird in dem Buch „Mona Lisa ist weg“ von Maayken Koolen und Nicki Theunissen (Mixtvision) nichts dergleichen behauptet, allerdings fliehen die Diebe der Mona Lisa durch einige Städte Europas und alle anderen Städte, durch die sie kommen, sind Hauptstädte, nur Barcelona eben nicht… Es ist kein Fehler in dem Buch, aber hier kann es schnell passieren, dass man annimmt (eben leider auch als vorlesender Erwachsener), dass die Verfolgungsjagd durch europäische Hauptstädte geht und dann eben schlussfolgert, dass Barcelona die Hauptstadt Spaniens sei.

Ja, ich weiß, das alles klingt sicherlich ziemlich kleinlich und kritisch, oder? Nun stellt sich die Frage, ob man dies nicht hätte anders machen können bzw. ob es vielleicht auch gar nicht so schlimm ist, wenn man in diesen Fällen mit einem falschen Weltbild aufwächst. Schadet es, wenn man denkt Eisbären und Pinguine leben zusammen in Schnee und Eis? Welcher Erwachsene hat einen Nachteil davon, wenn er davon ausgeht, dass ein Kamel Wasser in seinen Höckern speichert? Vermutlich niemand, aber ist es deshalb in Ordnung, wenn Kinder von klein auf, diese falschen Bilder bei sich abspeichern? Was denkt ihr darüber? Mir persönlich wäre wohler, wenn auf diese Ungenauigkeiten in Büchern geachtet werden würde. Fantasie und kreative Ideen sind schön und gut und ich habe auch nichts gegen völlig abstruse Geschichten, aber nur solange es auch klar ist, dass es sich hier eindeutig um Fantasie und etwas Erfundenes handelt. Ein Grund diese ansonsten schönen Bücher komplett abzulehnen, sehe ich jedoch auch nicht, zumindest wenn man Kinder anschließend oder beim Lesen über die richtigen Fakten informiert.

4 Gedanken zu „Bilderbücher helfen dabei die Welt zu erkunden, aber was ist, wenn sie falsche Tatsachen suggerieren?

  • 16. März 2015 um 12:55
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    Im ersten Fall steht im Titel “Sachbuch”, also ist es falsch. Bei letzterem könnte man sich streiten, ob Kinder den Abstraktionspunkt “Hauptstadt” überhaupt wahrnehmen, wenn im Text (ich kenne das Buch nicht) darauf KEINEN Bezug gibt.
    Grundsätzlich gebe ich Dir Recht: Fantasie ja, Sachfehler dürfen nicht sein, da hat das Lektorat nicht aufgepaßt.
    Übrigens sehen Montessori-Vertreter das ganze noch kritischer: hier dürfen Tiere nicht vermenschlicht werden, weil es nicht den Tatsachen entspricht: also die hübschen Juli-Löwenzahn-Geschichten gehen dann gar nicht. Aber das ist dann ein anderes Streitfeld.

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    • 16. März 2015 um 13:10
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      Es gibt kaum Text in dem Buch “Mona Lisa ist weg”. Wenn man Kinder nicht darauf hinweist, wissen sie also nicht einmal, welche Städte gezeigt werden und als Hauptstadt nehmen sie sie erst recht nicht wahr. Von daher ist es in diesem Fall nicht schlimm, aber meines Erachtens dennoch etwas ungeschickt…
      Mit dem Vermenschlichen habe ich keine Probleme, obwohl ich ein Montessori-Diplom habe 😉

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  • 17. März 2015 um 21:30
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    Ich bin da genauso pingelig wie du. Die Hauptstadt-Suggerierung ist nicht so das Problem – das ist ja persönliche Interpretation – aber sowas wie Pinguin und Eisbaär ist genauso peinlich wie die Behauptung, dass in ganz Südamerika spnaisch gesprochen wird, also auch in Brasilien, was ja nicht stimmt.
    Da wird manchmal was mit der heißen Nadel gestrickt…unüberprüft geschrieben und veröffentlicht. Vielleicht, weil die Kiddies es ja noch nicht besser wissen und man deshalb nicht so penibel recherchieren muss?
    Das ärgert mich genauso wie viel Rechtscheibfehler – vor allem in Kinderbüchern.

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  • 20. März 2015 um 15:33
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    Ich würde ein derartiges Buch nicht kaufen, wenn mit so etwas vorher auffallen würde und ich denke, dass ich auch den Verlag diesbezüglich kontaktieren würde.
    Ich glaube allerdings auch nicht, dass Kinder, die aktuell eines der zitierten Bücher, später einmal dadurch irgendwie Nachteile haben werden, auch wenn es durchaus zu Irritationen kommen mag.

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