Rezension: Die Gespenster-Box

Ich lese meinen Kindern nicht nur gerne vor, sondern ich finde es auch toll mit ihnen zusammen Geschichten zu erfinden. Das kann man natürlich jederzeit und ohne Vorbereitung machen, aber manchmal ist es auch schön, wenn man mit schönen Materialien dazu angeregt wird.

Eine Sache, die zum Geschichten erzählen auffordert, ist „Die Gespenster-Box“. Sie enthält 20 doppelseitige Puzzelteile, die man aneinanderpuzzeln kann. Welches Teil dabei wo angelegt wird, bestimmt man selber. Auf diese Weise entstehen immer wieder neue Gespenstergeschichten, die sich auf 2,5 Metern durch das Zimmer schlängeln. Man kann ganz alleine Geschichten erfinden, man kann es aber natürlich auch gemeinsam machen.

Unsere erste Geschichte mit der Gespenster-Box

Hier mal der Anfang einer Geschichte, die ich mit meinem Sohn gepuzzelt, erzählt und aufgeschrieben habe. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mehr die Aufgabe des Schreiberlings übernommen habe, erzählt und ausgedacht hat sich das meiste mein Sohn:

Familie Müller zieht heute um. Nach einer Weile fängt Lea an zu jammern „Die Fahrt ist so lang. Sollen wir nicht eine kleine Pause einlegen?“ „Gut“, sagt Mama. „Wir packen unsere Getränke und unsere Brote aus. Wir haben ja heute noch nichts gegessen. Gleich fahren wir dann weiter.“

Auf einmal fängt Bello an zu bellen. Lea beschließt Bello zu folgen. Als sie bei einem Gebüsch angekommen ist, erschreckt Lea sich fürchterlich. Da ist eine weiße Gestalt. Eine Katze? Ne, ein Gespenst? Oder eine Gespensterkatze?

Als Lea sich kurz umdreht, verschwindet die Gespensterkatze schnell im Bus von den anderen Gespenstern und Lea ist sich nicht mehr sicher, ob sie wirklich eine weiße Gestalt gesehen hat.

Als Familie Müller weiterzieht, erzählt Lea ihrem Bruder Bobo, dass sie irgendeine Gespensterkatze gesehen hat. Bobo beschließt, dass sie auf der ganzen Fahrt nach Gespenstern Ausschau halten sollten. Ansonsten würde er ihr nicht glauben.

Als sie losfahren wollen, sehen sie die ganze Familie. Zwei Gespenster, die ihnen zu winken und ein Haus  mit ihren Fingern zeigen. Auf der ganzen Fahrt grübeln sie, was dieses Haus wohl zu bedeuten hat. Als sie schon fast da sind, sagt Bobo: „Vielleicht erwarten sie uns in unserem Haus.“ Das Haus sieht nämlich etwas alt und gruselig aus.

Als Lea und Bobo ihre Sachen auspacken, schießt ein Gespenst aus Leas Tasche raus. „Habt ihr Zeit, dass ich mit euch reden kann?“ fragt es.

„Auf jeden Fall“, sagen sie wie aus einem Mund.

Das Gespenst zeichnet einen Mann mit Hut auf ein Bild. „Was bedeutet denn dieser Mann?“ fragt Bobo.

„Dieser Mann hat die Gespensterkatze geklaut, die ihr eben auf dem Rastplatz gesehen habt, als ihr eine Pause eingelegt habt.“

„Und was haben die Pfeile, die auf den Hut zeigen, zu bedeuten?“ fragt Lea neugierig.

„Der Mann hat die Katze im Hut versteckt“, antwortet das Gespenst traurig.

„Was ist denn genau passiert?“ möchte Lea wissen.

„Ich war mit der Gespensterkatze unterwegs und ließ mir gerade ein Pizzastück schmecken. Da kam der Mann mit dem Hut um die Ecke.“

Lea unterbricht das Gespenst: „Ist der Mann mit dem Hut vielleicht ein Zauberer?“

„Ich glaube schon“, sagt das Gespenst. „Ich habe ihn nämlich auch auf einem Poster gesehen.“

Da sagt Bobo: „Dann können wir ja auf die Kirmes gehen.“

„Ja, aber lass mich erst mal zu Ende erzählen“, sagt das Gespenst. Es erzählt weiter: „Zuerst war der Mann sehr nett. Er sagte, er hätte eine Leckerei für die Katze im Hut versteckt. Da ist die Gespensterkatze in den Hut gekrochen. Ich habe es ihr gegönnt, denn immerhin hatte ich ja das Stück Pizza. Aber dann nahm der Mann seinen Zauberstab und statt der Gespensterkatze sah ich nur noch Blumen und Sterne. Ohne ein weiteres Wort verschwand der Mann einfach.“

„Okay, nun wissen wir genug“, sagt Lea. „Lasst uns auf die Kirmes gehen. Gemeinsam werden wir ihn finden.“ […]

Fördert Wortschatz und Umgang mit Sprache

Das Spiel macht wirklich viel Spaß und ich finde es vor allem sehr spannend und interessant, was sich die Kinder so ausdenken und wie sie ihre Überlegungen ausdrücken. Ich staune immer wieder, was für eine Kreativität und auch Wortgewandheit in ihnen schlummert. Der kleine Bruder möchte das Ganze dann auch immer machen und er versucht dann immer eine ähnliche Geschichte in abgekürzter Form zu erzählen. Der Umgang mit Sprache und Geschichten steckt an. Zumindest kann ich das in unserer Familie tagtäglich beobachten. Aus diesem Grund ist es nicht verkehrt, wenn neben Büchern auch weitere Sachen für die Kinder zugänglich sind, die ihnen Spaß machen und den spielerischen Umgang mit Wörtern, Sätzen und Geschichten fördern.

Die Bilder sind in recht blassen Farben gehalten und sie zeigen jeweils hauptsächlich eine Szene. Die Kinder werden somit nicht überfordert und ihnen wird ein Handlungsablauf, der gut erkennbar ist, angeboten. Dennoch bleibt auch Platz für eigene Interpretationen.

Etwas schade ist, dass es nicht so viele Anfangs- und Endstücke gibt und somit dann doch wiederum vieles von vorne herein festgelegt wird. Am Anfang mag das hilfreich sein, später wären mehr Freiheiten wünschenswert. Meines Erachtens bräuchte man gar keine Anfangs- und Endstücke, so dass wirklich alles freiwählbar wäre.

In gleicher Art und Ausstattung gibt es übrigens auch noch eine Märchenbox, die mir ebenfalls gut gefällt. Allerdings ist man beim Erfinden der Gespenstergeschichten noch ein wenig freier, da man bei Märchen einfach schon vorgeprägt ist.

Die Gespenter-Box – Erfinde deine eigenen Gruselgeschichten von Ella Bailey, Laurence King Verlag, ISBN: 978-3-96244-042-8, 13,95€

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

 

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