Rezension: Kinder achtsam erziehen

Ich gebe es zu: Ich bin kein großer Fan von Erziehungsratgebern. Ich mag auch keine Diskussionen über Erziehung und neumodischen Begriffen wie „bedürfnisorientiert“ begegne ich eher skeptisch, was nicht unbedingt heißt, dass ich die Inhalte dahinter nicht teilweise ebenfalls beherzige.

So wusste ich auch nicht direkt, ob das Buch „Kinder achtsam erziehen“ etwas für mich ist. Allerdings klang der Untertitel des Buches „Wie sie Wut, Streit und Geschrei aus dem Familienalltag verbannen“ durchaus verlockend. Denn wer kennt es nicht: Man ist gestresst und anstatt verständnisvoll auf die Kinder zu reagieren, schimpft man schnell los und ärgert sich dann hinterher über sich selber. Und je schlechter man selber drauf ist, desto mehr Geschrei und Streit gibt es. So hat man sich den Familienalltag eigentlich nicht vorgestellt und natürlich möchte man das gerne ändern. Also habe ich mich dann doch mal auf dieses Buch eingelassen und ich kann nun sagen, dass ich die Lektüre sehr anregend fand.

Eigentlich erfährt man in diesem Buch nicht wirklich etwas neues, aber manchmal reichen ja kleine Denkanstöße um etwas zu verändern. Sachen, die man bereits weiß, die einfach noch einmal ins Bewusstsein geholt werden müssen.

Achtsamer Umgang innerhalb der Familie

Das Buch spricht an, wie man in der Familie achtsamer miteinander umgehen kann, und was einen an diesem Umgang hindert. Genannt wird hier zum Beispiel das Multitasking. Weiter geht es mit Ritualen, die einem dabei helfen, den Tag gut zu beginnen und zu enden. Außerdem ist es wichtig, wie man miteinander spricht und dass man eine optimistische Ausrichtung hat. Einem großen Teil wird zudem dem Umgang mit Gefühlen gewidmet, aber auch man selber und die eigenen Bedürfnisse sind wichtig und müssen beachtet werden. Auch hier für bekommt man in dem Buch Tipps. Ich habe mir einige wichtige Sätze aus dem Buch in ein Notizheft geschrieben, um sie mir immer mal wieder bewusst zu machen.

Nicht alles in dem Buch passt zur eigenen Familie, denn schließlich gehören ja zur Familie mehrere Personen und manches kommt vielleicht z.B. beim Partner einfach nicht in Frage, aber ich denke sowieso, dass ein solches Buch nur als Anregung zu verstehen ist. Es ist kein Lehrbuch, welches man Punkt für Punkt umsetzen kann, sondern es ist ein Buch, das einem mögliche Wege aufzeichnet und dazu verschiedene Ideen bereit hält.

Ich versuche nun bewusst, das eigene Stresslevel niedrig zu halten, dem was ich tue meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken und Unvorhergesehenes zu akzeptieren statt deswegen gestresst zu reagieren.

Eigene Erfahrung

Neulich lag ich morgens super in der Zeit. Der Kleine war morgens früh wach und ließ sich auch direkt ohne Probleme in den Kindergarten bringen. Ich hatte also genügend Zeit einige Dinge am Vormittag zu erledigen. Allerdings musste ich dann feststellen, dass das Auto eine Panne hatte und ich nicht so wie geplant zum Einkaufen fahren konnte. Auch einen anderen Gang konnte ich nicht erledigen. Ja, das kann einen ordentlich stressen und ärgern. Ich habe dann aber die Situation akzeptiert, an der ich in dem Moment nichts ändern konnte. Die Welt ging deswegen nicht unter und der Einkauf konnte auch später erledigt werden. Auch alles andere ließ sich nach und nach regeln. Es lief alles anders als geplant, aber ich habe alles dennoch ganz in Ruhe geschafft.

Stress im Alltag reduziert sich

Auch mit den Kindern gehe ich bewusst ruhiger um und bleibe gelassener. Das fällt mir noch nicht einmal schwer. Ich muss mir nur bewusst machen, dass manche Dinge keiner großen Aufmerksamkeit wert sind. Das wichtigste ist aber, glaube ich, dass ich ihnen bewusster Aufmerksamkeit schenke als vorher. Wenn sie mir etwas erzählen, lese ich nicht gerade gleichzeitig noch schnell die Überschriften in der Zeitung, sondern konzentriere mich auf das Gespräch mit ihnen, und wenn ich gerade keine Zeit für ein Gespräch habe, dann höre ich nicht halbherzig zu, sondern sage klar, dass ich gerade etwas zu erledigen habe, aber in ein paar Minuten Zeit habe, ihnen zu zu hören. Und ich muss feststellen, dass unsere Tage direkt viel ruhiger verlaufen und das nur, weil ich bewusster und achtsamer bin. Klar, jeder Streit und jeder Wutanfall lässt sich dadurch natürlich nicht bannen, und ich reagiere auch jetzt nicht immer ruhig und gelassen, aber die Grundstimmung hat sich leicht verändert und ich finde, das ist viel wert.

Das ganze Buch kommt nicht belehrend herüber, sondern zeigt einfach ein paar Ideen für einen entspannten Alltag mit Kindern auf. Wichtig ist mir hier auch zu sagen, dass bei einer achtsamen Erziehung durchaus auch Konsequenz und gewisse Grenzen eine Rolle spielen. Bedürfnisse von Kindern wahrnehmen und sie ernst nehmen heißt nicht automatisch, dass alles nach dem Willen der Kinder geht.

Zu mir und meiner Einstellung Kindern und Menschen gegenüber hat dieses Buch gut gepasst und ich werde sicherlich auch noch einige Male hineinschauen. Ich kann es jedem empfehlen, dem ein respektvoller Umgang mit seinen Kindern wichtig ist, und der einfach ab und zu ein paar Anregungen für den immer wieder stressigen Alltag braucht.

Kinder achtsam erziehen – Wie sie Wut, Streit und Geschrei aus dem Familienalltag verbannen, Humboldt Verlag, ISBN: 978-3-86910-639-7, 19,99€

5 Gedanken zu „Rezension: Kinder achtsam erziehen

  • 3. April 2018 um 09:30
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    Das hört sich interessant an, ich komme nur gerade nicht zum Lesen… Muss man das Buch im ganzen lesen oder kann man sich auch ohne Verständnisverlust einzelne Kapitel rauspicken?

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    • 3. April 2018 um 10:09
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      Man kann sich problemlos einzelnes heraus picken.

      Antwort
  • 4. April 2018 um 10:39
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    Klingt wirklich… nicht schlecht. Ich bin selber bei solchen Ratgebern sehr skeptisch. Vor allem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie oft sehr ausführlich aufzeigen, was man NICHT tun sollte, um einen dann aber mit praktikablen (!) Alternativen weitgehend allein zu lassen… 🙂 Aber genau das scheint ja hier besser zu sein?

    Antwort
    • 4. April 2018 um 10:47
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      Ja, man bekommt eher Tipps wie man es machen könnte als dass die schlechte Alternative genannt wird.

      Antwort

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