Rezension: Oje, ein Buch!

Oje, ein Buch!“ – Würde euch dieser Ausspruch jemals über die Lippen kommen, wenn ihr oder euer Kind ein Buch geschenkt bekommt? Also, mir ganz bestimmt nicht.

Aber ich glaube, das Buch mit diesem Titel („Oje, ein Buch“) ist gar nicht so weit von der Realität entfernt, wenn die erwachsene Frau in dem Buch, das Kind betroffen ansieht, als sie feststellt, was in seinem Geschenk ist. Der arme Junge. Über ein Buch wird er sich wohl nicht freuen. Zum Glück sieht das Kind die Sache aber ganz anders. Juri möchte sich das Buch direkt vorlesen lassen, aber was ist nur mit Frau Asperilla los? Sie scheint überhaupt nicht mehr zu wissen, wie man Bücher überhaupt anschaut. Sie wartet darauf, dass etwas von selbst passiert, später lauscht sie, um das Klopfen im Buch zu hören und kleine Bilder versucht sie, wie bei einem Smartphone mit den Fingern groß zu ziehen. Da kann Juri nur mit dem Kopf schütteln. Er weiß, wie man mit einem Buch umgeht und welche Rolle die Fantasie spielt und so lesen er und Frau Asperilla gemeinsam die Geschichte über eine außergewöhnliche Maus, in der viele Dinge ganz anders geschehen, als man annehmen würde.

Frau und Kind verbringen Zeit miteinander, sie denken über die Geschichte nach und sprechen miteinander. Ein Buch kann viel mit uns machen und wir können viel mit einem Buch anfangen. Das wird hier ganz deutlich. Nein, man muss nicht aufstöhnen, wenn sich im Geschenk ein Buch befindet, sondern kann es dankbar annehmen.

Wenn Kinder mehr wissen als Erwachsene

Die Geschichte ist herrlich und humorvoll. Sie macht Kindern und Erwachsenen Spaß. Selbst Kinder, die noch keinen ausgeprägten Umgang mit digitalen Medien haben, verstehen Frau Asperilla und ihr merkwürdiges Verhalten mit dem Buch bereits. Da war ich mir am Anfang nicht so sicher. Mein Sohn hat bisher sehr selten etwas am Smartphone gemacht, dennoch wusste er, wovon Frau Asperilla spricht und er konnte auch nachvollziehen, warum sie an dem Bild herum gewischt hat. Kindern, denen man dieses Buch vorliest, werden häufig Bucherfahrung haben, und so fühlen sie sich Frau Asperilla überlegen und finden es witzig, dass eine erwachsene Frau so „falsch“ mit einem Buch umgeht und gar nicht richtig weiß, wie sie es nutzen soll.

Die Kraft der Fantasie

Uns Erwachsenen werden bei der Lektüre noch einmal der Wert eines Buches und die Kraft der Fantasie bewusst. Um Spaß an einer Geschichte zu haben, braucht man keine große Animation und Special Effects. Eine gute Geschichte und unsere Vorstellungskraft reichen dafür aus. Und gerade Kinder haben diese Vorstellungskraft und Fantasie. Dennoch war ich über die bewusste Aussage meines Sohnes neulich überrascht und gleichzeitig natürlich sehr erfreut: Es macht ihm nichts aus, wenn ein Buch keine Bilder hat, denn „wenn in einem Buch  keine Bilder sind, dann stelle ich sie mir im Kopf vor“.

Die Bilder wirken etwas skizzenhaft und mit Buntstiften gezeichnet, wobei es dennoch nicht laienhaft wirkt. Spannend ist, dass alles, was mit dem Buch zu tun hat, in Farbe gemalt ist, während der Rest (also u.a. Juri und Frau Asperilla) einfache, farblose Zeichnungen sind. Aber ganz am Ende haben Juri und Frau Asperilla rote Wangen von dem Abenteuer Lesen. Toll gemacht!

Übrigens wird in diesem Buch tatsächlich jede Seite für die Geschichte genutzt. Ganz vorne ist die Vorgeschichte (also, dass das Buch als Geschenk kommt), so dass auf der Seite, auf der üblicherweise der Titel des Buches noch einmal genannt wird, das Buch als Illustration wunderbar eingebunden wurde. Danach kann man dann über den Umgang von Frau Asperila und Juri mit dem Buch lesen, das genauso wie das Buch, welches die Kinder in den Händen halten, heißt. Hier passt einfach wirklich alles zusammen.

Oje ein Buch! von Lorenz Pauli und Miriam Zedelius, Atlantis, ISBN: 978-3-7152-0742-1, 14,95€

 

4 Gedanken zu „Rezension: Oje, ein Buch!

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