Vorlesen: Kamfu mir helfen?

Letzte Woche ging es nun endlich los mit dem regelmäßigen Vorlesen im Kindergarten. Ich freue mich so!

Äußere Rahmenbedingungen

Mit der sehr netten und offenen Leitung des Kindergartens habe ich abgesprochen, dass ich alle zwei  Wochen den Vier- bis Fünfjährigen vorlese. Damit es bei maximal zehn Kindern bleibt, lese ich zwei Gruppen nacheinander vor. Auch die äußeren Rahmenbedingungen stimmen: Ich kann in einem ruhigen Raum vorlesen, in dem die Kinder auf Stühlen sitzend im Halbkreis vor mir sitzen. So hat jeder seinen eigenen Platz und rutscht nicht herum. Alle haben einen guten Blick auf mich, aber niemand kann vor den anderen Kindern schon mit ins Buch und in die Bilder gucken. Grundsätzlich mache ich es so, dass ich zunächst eine Doppelseite vorlese und dann den Kindern in Ruhe das Bild zeige. Irgendwann sollen dann auch mal das Kamishibai und die Erzählschiene zu Einsatz kommen, aber zunächst möchte ich mit „normalen“ Büchern beginnen.

Rituale

Wichtig ist mir, dass ich von Anfang an Rituale und Wiedererkennungsmerkmale schaffe. Deshalb habe ich einige Dinge mitgenommen: Immer wenn ich zum Vorlesen im Kindergarten bin, trage ich meinen „Vorleseschal“, einfach ein roter Schal mit Nilpferden drauf. So können die Kinder, wenn sie mich sehen, gleich erkennen, ob ich nur meinen Sohn bringe oder ob ich zum Vorlesen da bin. Außerdem sind meine Geschichtenwolke und meine Klangschale mit dabei. Später soll auch noch ein Kuscheltier hinzukommen, welches den Geschichten lauschen möchte, doch das möchte ich erst in der übernächsten Stunde einführen um die Kinder nicht direkt mir zu viel Neuem zu überfallen.

Die 1. Vorlesestunde

Gerne möchte ich euch nun meine Vorlesestunde kurz vorstellen. Vielleicht findet der eine oder andere Vorleser hier ja noch ein paar Anregungen.

Start mit einem Lied

Begonnen habe ich mit einem selbstgedichteten Lied zu der Melodie von „Hejo, spann den Wagen an“:

Hey-ho, heut‘ wird vorgelesen

Von Räubern, Hexen und andren spann’den Wesen.

Hört neue Geschichten, hört neue Geschichten.

Mit diesem kleinen Lied möchte ich gerne jede Vorlesestunde beginnen.

Eingepacktes, geheimnisvolles Buch

Auf dem Tisch vor mir konnten die Kinder bereits meine kuschelige Geschichtenwolke sehen, die uns mit in das Reich der Geschichten nehmen möchte. Allerdings konnten die Kinder noch nicht sehen, um welches Buch es gehen sollte, denn dieses hatte ich in Packpapier eingepackt – übrigens eine Idee aus dem Vorleseseminar in Münster-Hiltrup. Die Kinder durften Tipps abgeben, worum es gehen könnte. Immer näher sind sie der Lösung gekommen: Es geht um einen Elefanten. Nun sollten die Kinder mir erzählen, was den so zu einem Elefanten gehört. Ich habe alles, so wie die Kinder es genannt haben, aufgemalt – bis wir das Bild eines Elefanten hatten. Aber ob der Elefant im Buch genauso aussieht? Jetzt durfte das Buch von einem Kind ausgepackt werden: „Kamfu mir helfen?

Das Buch: “Kamfu mir helfen?”

In dem Buch läuft der Elefant im schnellen Lauf gegen eine Mauer und, oje, der Rüssel ist infolgedessen ganz krumm und der Elefant bekommt gar keine richtigen Töne mehr heraus. Er fragt nun andere Tiere, die auch einen Rüssel besitzen, um Rat. Der Ameisenbär schlägt vor den Rüssel zu kühlen und das Schwein rülpst gemeinsam mit dem Elefanten um den Rüssel wieder gerade zu bekommen. Doch beide Tipps helfen nicht. Dann kommt eine kleine Fliege, die sich das Ganze von Innen anschauen möchte. Sie fliegt in den Rüssel hinein. Das kitzelt den Elefanten so sehr, dass er mit großem Schwung niest. Die Fliege saust heraus und landet unsanft auf dem Boden. Aber das ist noch nicht das Schlimmste: Ihr Rüssel ist nun verknickt! Dafür ist der Elefant sein Problem wieder los.

Ein herrliches Buch! Der Text ist gereimt und voller Schwung und auch die Bilder sind humorvoll und voller Leben. Zwar dominieren die Figuren die Bilder, aber es gibt dennoch das eine oder andere interessante Detail zu entdecken. Außerdem haben die Kinder schon viel Spaß an der verknickten Form des Rüssels oder an den Gegenständen die sie im Inneren des Rüssels entdecken können.

Gerade zum Beginn dieser Vorlesestunden ist ein heiteres, fröhliches Buch gut geeignet. Die Kinder gehen mit, lachen und haben Spaß an der Geschichte. Die Reime helfen einem beim rhythmischen Vorlesen und die Stimme muss man auch nicht allzu sehr verstellen. Beim Schwein kann man mal das eine oder andere „Nöff“ mit unter bringen und der Elefant fällt alleine durch die veränderten Wörter auf: „Ich bin gefpolpert, hingeflogen und hab den Rüffel mir verbogen“. Das kann man dann noch durch das Zuhalten der Nase unterstützen.

Ins Reich der Geschichten fliegen

Bevor ich das Buch vorgelesen habe, habe ich es auf die Geschichtenwolke gelegt. Nun mussten alle Kinder mir helfen, damit wir gemeinsam losfliegen können. Alle Kinder haben gepustet und ich habe dazu folgendes gesagt: „Wolke, flieg, flieg, flieg. Nimm uns mit ins Reich der Geschichten. Flieg, flieg, flieg!“ Anschließend habe ich gegen meine Klangschale geschlagen und wir haben gelauscht, bis der letzte Ton verklungen ist. Das war für mich das Zeichen mit dem Buch loszulegen.

Abschlusslied

Im Anschluss ans Lesen haben wir dann noch ein passendes Lied gesungen, welches manche Kinder auch schon kannten: „Was müssen das für Bäume sein“. Aber auch die Kinder, die das Lied noch nicht kannten, konnten prima mitmachen, da man zu dem Lied Bewegungen machen kann.

Diese erste Vorlesestunde war relativ kurz, gut 20 Minuten insgesamt. Aber sie war ein guter Einstieg. Die Kinder waren ruhig, haben prima mitgemacht und ich hatte das Gefühl, dass es  ihnen gut gefallen hat. Ich bin gespannt, wie die nächsten Stunden werden, wenn wir uns ein bisschen besser kennen.

Kamfu mir helfen? von Dirk Schmidt und Barbara Schmidt, Kunstmann Verlag, ISBN: 978-3-88897-568-4, 14,90€

 

5 Gedanken zu „Vorlesen: Kamfu mir helfen?

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