Ein Lese- und Schreibabenteuer für das Smartphone

Nun wo es bald bei uns mit der Schule für den Großen beginnt, spielen so langsam auch Apps auf dem Smartphone eine Rolle. Bisher hatte er zwar kaum ein Smartphone in der Hand, aber nun haben wir uns mal gemeinsam die App vom Löwen, der nicht schreiben konnte, angeschaut. Sie verspricht ein Lese- und Schreibabenteuer, bei dem Erstleser zum Lesen und Schreiben eingeladen werden sollen. Das klingt erst einmal ganz gut. Bücherwürmchen kann schon Lesen und ein wenig Schreiben, also sollte die App genau das richtige für ihn sein. Er war natürlich ganz begeistert, dass er mal etwas an meinem Smartphone spielen durfte, wobei ich erstaunt festgestellt habe, dass er zwar protestierte, wenn ich nach ein, zwei Spielen, das Handy erst einmal wieder weggelegt habe, dass er aber andererseits von selbst nicht danach gefragt hat. Er scheint die digitalen Medien also bislang nicht sonderlich zu vermissen. Dennoch hatte er natürlich Spaß an der App, auch wenn er mit der Bedienung dank seiner geringen Smartphone-Erfahrung ein wenig Probleme hatte. Die Spiele selbst fand er aber gut und hat sie alle gerne gemacht, besonders natürlich das, bei dem man Tier-Aa in Gefäße sortiert werden muss. Jaja, diese Pipi-Kacke-Aa-Phase endet wohl nie…

Spiele mit Buchstaben und Silben

Alle Spiele sind nett gemacht und kindgerecht. Allerdings handelt es sich meines Erachtens längst nicht bei allen Spielen um ein Lese- und Schreibabenteuer. Auch gibt es bei manchen Spielen nur eine geringe Steigerung im zweiten Level bzw. wiederholt sich einiges aus dem ersten Level. Manche Spiele, wie z.B. das Einsammeln des Alphabets, welches in der richtigen Reihenfolge an einem vorbeikommt, empfinde ich als recht langweilig. Hier müssen die Kinder eigentlich gar keine eigene Leistung erbringen, prägen sich aber vielleicht zumindest ein wenig das ABC ein. Beim Memory-Spiel sehe ich den Zusammenhang zum Lese- und Schreibabenteuer nicht. Dafür gibt es aber ein schönes Tiermist-Spiel. Aus Buchstaben soll hier der Tiername gebildet werden, von dem der Mist stammt. Auch das Affenspiel, bei dem aus Silben Wörter gebildet werden sollen, gefällt mir gut. Das Krokodil nennt in einem anderen Spiel jeweils einen Buchstaben und muss mit Dingen gefüttert werden, die mit diesem Buchstaben beginnen. Hier werden die Buchstabennamen und nicht die Laute genannt, was aber für Kinder, die auch schon lesen können, kein Problem mehr sein dürfte. Dennoch könnte es manche Kinder, die in der ersten Klasse häufig die Laute der Buchstaben benennen (also z.B. „s“ und nicht „ess“ für das „S“), ein wenig irritieren.

Postkarten zum Lesen

Besonders gut gefällt mir die Postkarte an die Löwin, die sich an jedes Spiel anschließt. Hier kann man sich den Text vorlesen lassen, wobei das vorgelesene Wort dabei markiert wird, so dass die Kinder selber mitlesen können. Im zweiten Level besteht die Postkarte aus einem Lückentext, bei dem einzelne Wörter eingesetzt werden müssen. Allerdings werden die Wörter nur angenommen, wenn sie auch komplett richtig geschrieben werden, was Erstlesern nicht unbedingt immer gelingt.

Alle Spiele werden von den Kindern gut verstanden und können direkt gespielt werden.

Die Bilder sowie die Animation sind wirklich ansprechend gemacht. Die Stimmen passen hervorragend zu den Tieren. Insgesamt eine sehr schöne App, die zwar nicht in allen Spielen die Lese- und Schreibfähigkeiten der Kinder gleichermaßen einfordert, die aber in der Gesamtheit und insbesondere auch durch die Postkarten dann doch ein Lese-und Schreibabenteuer darstellt.

App: Der Löwe – Ein Lese- und Schreibabenteuer mit Illustrationen von Martin Baltscheit, Beltz & Gelberg, ISBN 978-3-407-74925-3, 3,99€ (iOS und Android)

 

2 Gedanken zu „Ein Lese- und Schreibabenteuer für das Smartphone

  • 25. August 2017 um 08:55
    Permalink

    Du schreibst absolut richtig, dass das Nennen der Buchstabennamen viele Kinder verwirrt. Das stimmt leider und zwar in erheblichem Maße. Ein nicht unerheblicher Anteil an Kindern ist beim Schriftspracherwerb auf korrekte Hilfen und Informationen angewiesen (die meisten lernen es auch GEGEN alle Fehlinformationen). Mindestens 20 Prozent alle Kinder haben einen – wie auch immer – erschwerten oder verzögerten Zugang zur Schrift (Sprachschwierigkeiten, DaZ, Lese- oder/und Rechtschreibschwierigkeiten, LRS/Legasthenie). Wir Erwachsene machen es uns oft nicht klar, was wir diesen Kindern antun, wenn wir ihnen die Buchstabennamen sagen: “Das ist ein ES – ZE – HA – AA – EF!” Klar, es soll SCHAF heißen. Gut, dass du auch immer wieder darauf hinweist. Ich kann es gar nicht glauben, wie viele Jahre und Jahrzehnte es braucht, bis die Lese- und Schreibanfänger vor falschen und wirklich schädlichen Informationen geschützt werden. (Ich kenne viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit großen Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten, die u. a. auch wegen diesen und anderen didaktischen Fehlinformationen ihren Weg zur Schrift nur unter erheblichen Mühen beschreiten. Deshalb ist mir dieser Bereich so wichtig.) PS: Wir haben drei Kinder, daher weiß ich, nie zu früh mit allen “elektronischen Geräten” anfangen – zurück geht dann nicht mehr ;).

    Antwort
    • 25. August 2017 um 09:34
      Permalink

      Ich sehe diese Vermischung.von Lauten und Buchstaben leider sehr häufig…
      “Elektronische Geräte“ spielen bisher hier so gut wie keine Rolle, aber die Kinder fragen bisher auch nicht danach. Dass wir diese App haben, hat der Große irgendwie auch schon wieder vergessen bzw. denkt er nicht daran.

      Antwort

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