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Interview mit Nina Hundertschnee

Die Autorin Nina Hundertschnee habe ich auf besondere Art und Weise kennen gelernt, denn genauer gesagt hat erst sie mich bzw. meinen Blog entdeckt. Sie las auf meinem Blog mit und hat schließlich, als ich gerade einen kleinen, neuen Motivationsschub brauchte, sogar ein Interview mit mir geführt. Nun möchte ich aber auch euch gerne diese sympathische Kinderbuch-Autorin vorstellen. Ihr könnt natürlich auch gerne auf ihrer eigenen Seite im Internet nachschauen, aber hier bekommt ihr ein paar interessante Antworten darauf, was eine Kinderbuchautorin so bewegt, welche Schwierigkeiten beim Schreiben ergeben und wie man dennoch seinen eigenen Weg findet.

Foto: Nina Hundertschnee
Foto: Nina Hundertschnee

Bald erscheint dein erstes Bilderbuch „Knuddelfant und Lenny“. Vielleicht kannst du uns ein wenig über die Entstehung des Buches erzählen.
Da muss ich ziemlich weit ausholen und erst einmal in meine Kindheit zurückkehren. Die ursprüngliche Geschichte habe ich mir nämlich ausgedacht, da war ich ungefähr sieben Jahre alt. Unser Au-Pair hat damals die Bilder zur ersten Version gemalt und wir haben ein richtiges Buch gebastelt. Als Kind war ich mir ziemlich sicher: Ich werde mal Schriftstellerin. Dann kamen viele andere Dinge und das Schreiben geriet in den Hintergrund.
Irgendwann fand ich beim Aufräumen auf dem Dachboden das alte Manuskript wieder und erinnerte mich an diese wundervolle Zeit, als ich mir Geschichten ausdachte und mich das erfüllt und glücklich gemacht hat. Ich habe das Manuskript abgetippt und plötzlich war Knuddelfant da. Man kann sagen, Knuddelfant und Lenny haben meine Liebe zum Schreiben wiederbelebt. Aus diesem Grund bedeutet mir das Buch auch so viel.

Cover_Knuddelfantundlenny

Wie hat sich die Suche nach einem Verlag gestaltet?
Lang, seeeehr lang. Vielleicht hing das mit dem Arbeitstitel zusammen. Der war nämlich noch Lenny wartet lange. Und das hat er ja dann auch wirklich. Durch einen Zufall bin ich auf Nina Dulleck gestoßen und merkte sofort: Das passt wie die Faust aufs Auge.
Wir schickten dann Text und Probeillustrationen an mehrere große Verlage und es hagelte Absagen. Das war schon sehr hart. Doch wir haben nicht aufgegeben und immer an die Geschichte geglaubt. Ich habe Schreibkurse besucht und Knuddelfant und Lenny noch einmal überarbeitet. Nach fünf langen Jahren ist es nun endlich so weit. Und das ist einfach unglaublich.
Planst du noch weitere Bilderbücher?
Mit dem Planen ist das so eine Sache – die Geschichten kommen einfach so, völlig aus dem Nichts. Aber ja, ich habe Anfragen für weitere Bilderbücher. Und in meiner virtuellen Schublade schlummert auch noch die ein oder andere Geschichte, und wartet darauf jemanden zu finden, der sie gut findet. J
Warum schreibst du für Kinder?
Das weiß ich ehrlich gesagt auch nicht so genau. Ich glaube, Schriftsteller suchen sich nicht aus, für wen sie schreiben. Sie schreiben über das, was aus ihnen heraus will. So geht es mir jedenfalls und das sind nicht nur, aber zum großen Teil Geschichten für Kinder. Ich hatte eine wunderschöne Kindheit und habe mir mein inneres Kind bis heute erhalten können. Vielleicht ist das der Grund, warum ich für Kinder schreibe.
Gibt es spezielle Schwierigkeiten, über die du gestolpert bist, beim Schreiben für Kinder?
Allerdings. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Verlage sich scheuen, außergewöhnliche Geschichten zu veröffentlichen, was Schreibstil als auch Thema angeht. Wenn man dann versucht, etwas kommerzieller zu schreiben, bekommt man wiederum zu hören: Das ist zu gewöhnlich, das gibt es schon.
Ich bin zum Schluss gekommen, dass man sich selbst immer treu bleiben sollte, auch wenn es dann vielleicht etwas länger dauert, bis man gelesen werden kann.
Kannst du ein paar Kriterien nennen, die ein gutes Kinder- oder Bilderbuch beinhalten sollte?
Man spürt glaube ich, wenn Geschichten aus dem Herzen kommen. Eine authentische Botschaft ist in meinen Augen ein sehr wichtiges Kriterium. Es kann auch nicht schaden, wenn man diese Botschaft mit einer Prise Humor würzt. Und natürlich gibt es stilistische Kriterien; man denke nur an Wolf Schneider, der die deutsche Sprache in seinen Veröffentlichungen ziemlich genau unter die Lupe nimmt.
Bei einem guten Bilderbuch besteht die Kunst darin, dass sowohl Text als auch Bilder für sich alleine stehen können, und doch mag man weder auf das eine, noch das andere verzichten.
Welche Eigenschaften haben für dich Kinder, die Erwachsene sich von ihnen abschauen könnten?
Durch meinen kleinen Sohn erlebe ich jeden Tag die Freude am Leben, diese grenzenlose Neugier und das unbedarfte und angstfreie Herangehen an die Dinge. Das sind alles Eigenschaften, die man durch den erwachsenen Alltag verlernt, die es aber wert sind, zurück erobert zu werden.
Welche Bilderbücher anderer AutorInnen magst du gerne?
Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann fällt mir spontan Willi Wiberg von Gunilla Bergström ein. Willis Geschichten haben einen ganz besonderen Charme. Außerdem mag ich Janosch sehr gerne und Freunde von Helme Heine ist auch ein Bilderbuch, das in jedes Kinderbuchregal gehört.
Das Bilderbuch, das mir am allermeisten in Erinnerung geblieben ist, ist Pony, Bär und Apfelbaum von Sigrid Heuck. Und zwar deshalb, weil es mir mit seinen Bildwörtern damals immer das Gefühl vermittelt hat, bereits lesen zu können, obwohl ich noch nicht einmal das Alphabet kannte. Was für eine großartige Erfahrung für ein kleines Kind, das unbedingt alleine lesen wollte!
Weshalb ist es aus deiner Sicht wichtig, dass Kinder lesen bzw. dass ihnen vorgelesen wird?
Bücher sprechen unsere Fantasie unmittelbar an, durch sie werden wir in fremde Welten entführt und in andere Charaktere hinein versetzt. So tragen sie dazu bei, Verständnis und Mitgefühl zu entwickeln. Kinder erweitern durchs Lesen und Vorlesen nicht nur Wortschatz und Konzentrationsfähigkeit, sondern auch ihren Horizont. Außerdem gibt es wohl nichts Schöneres, als mit dem Kind auf dem Schoß in der Lieblingsleseecke in die Lieblingslesedecke eingekuschelt über einem Buch zu sitzen. Ein Tag ohne lesen ist wie ein Tag ohne lachen.
Vielen Dank für das Interview, Nina Hundertschnee!

3 Gedanken zu „Interview mit Nina Hundertschnee

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