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Reise in die Vergangenheit mit einer gehörigen Portion Nostalgie

Nachdem ich gestern über Bücher mit neuen technologischen Möglichkeiten geschrieben habe, möchte ich heute noch einmal ein wenig in die Vergangenheit reisen.

Leider erinnere ich mich nur noch an wenige konkrete kindliche Erlebnisse mit Bilderbüchern, aber ein paar bruchstückhafte Erinnerungen und Bilder sind noch da. Ich sehe noch die Bücherei in Bielefeld vor mir und meine Schwester, die dort auf die Steine gefallen ist und am Knie blutete. Und es gibt ein paar Bücher, die ich mit dieser Bücherei in Erinnerung bringe bzw. bilde ich mir ein, dass wir sie uns dort mehrfach ausgeliehen haben: Bücher von „Onkel Tobi“ und „Der glückliche Löwe“. Es ist verrückt, aber diese Bücher lassen bei mir direkt eine nostalgische Stimmung aufkommen. Als es mir vor Jahren während des Studiums mal nicht so gut ging, bin ich in eine Buchhandlung gegangen und habe dort zufällig zwei Bücher gesehen: Den Sammelband „Viel Spaß mit Onkel Tobi“ und „Der glückliche Löwe“. Da konnte ich einfach nicht anders: Ich habe sie gekauft, denn nichts konnte mich in diesem Moment besser trösten als diese zwei Bilderbücher – nur für mich – und es war ein richtig gutes Gefühl sie in mein eigenes Regal stellen zu können. Wie schön war es, diese zwei Bücher, von denen ich zwischen meiner Kindheit und dem Tag in der Buchhandlung kaum mehr etwas gehört hatte, wieder zu entdecken.

Onkel Tobi

Ja, genau, ich erinnerte mich sofort wieder an die Liste der Einkäufe: „Einen Besen für den Stall, für die Katze einen Ball…“ All die alten Reime kamen mir sofort wieder bekannt vor. Ich wusste nur nicht mehr, was Onkel Tobi am Ende in der Stadt vergessen hatte, denn seine Liste wurde ja von Nachbar zu Nachbar immer länger, und so habe ich gespannt nachgelesen, wie Onkel Tobi zwar an den Sommerhut mit „Flitter-flatter-Seidenband“ für Liese denkt, aber den neuen Haustürschlüssel vergisst. Auch die Landpartie bei der Onkel Tobi im Dörfchen Tingelfing landet („Heute geht’s nach Bullerau und ich weiß den Weg genau“), kam mir noch sehr bekannt vor. Von „Zu Besuch bei Onkel Tobi“ und „Onkel Tobi hat Geburtstag“ hatte ich schon mal gehört, aber die Geschichten sagten mir nur sehr wenig und übten somit auch keinen besonderen Reiz auf mich aus, aber für Bücherwürmchen werden vielleicht alle Geschichten gleich schön sein, wenn er sie nun so nach und nach kennen lernt. Noch steht das Buch im Gästezimmer und wird nur ab und zu, wenn wir uns für einen gemütlichen Büchernachmittag auf das Sofa dort legen, heraus geholt und gelesen, aber bald werde ich es ins Bücherregal im Wohnzimmer stellen, so dass sich Bücherwürmchen auch noch lange, lange an diese Geschichten erinnern wird. Ein erster Schritt in diese Richtung ist schon getan und wenn ich ihm das erste Buch aus der Sammlung vorlese, möchte er immer sehr gerne noch weitere Geschichten daraus hören. Er findet den Bart von Onkel Tobi spannend, er will wissen, ob Onkel Tobi auch eigene Kinder hat und seiner Meinung nach ist Onkel Tobi ein Kutscher und er wartet immer darauf, dass er wieder eine Fahrt mit seinem Pferd unternimmt.

Auch als Erwachsene ist mir Onkel Tobi übrigens überaus sympathisch, denn, ich zitiere Onkel Tobi: „etwa Dreck gehört vermutlich immer zur Gemütlichkeit!“.

 onkeltobi

Der glückliche Löwe

Diese Bilder – eigentlich ganz einfach gezeichnet, aber dennoch unverwechselbar! Teilweise schwarz-weiß und auf anderen Seiten in wenigen Farben (rot, schwarz und braun) gehalten. Sobald man das Buch aufschlägt, hat man den Löwen wieder lieb und fühlt mit ihm mit. Sein Ausflug in die Stadt zu den Menschen, die ihn im Park immer so nett grüßen („Guten Morgen, glücklicher Löwe“), verläuft ganz anders, als er es sich vorgestellt hat. Er bekommt das Gemüse der Madame Pinson ins Gesicht geworfen, die Stadtkapelle, die gerade noch so fröhliche Musik machte, läuft hektisch davon und der Löwe wundert sich, wie sich die Menschen verhalten. Oh, und dann tut er einem so leid, der liebe Glückliche Löwe, der doch in den Menschen seine Freunde sieht. Die Feuerwehr kommt und geht mit ihrem dicken Schlauch auf ihn zu. Aber in dem Moment wird doch alles gut, denn der Glückliche Löwe hat einen Freund, der zu ihm kommt und seine dicke Mähne streichelt: Franz, der Sohn des Zoowärters. Und mit diesem Ende ist nicht nur der Glückliche Löwe, sondern auch der Leser zufrieden, denn anders hätte es der Löwe auch nicht verdient.

Komischerweise hatte ich dieses Buch Bücherwürmchen bisher noch gar nicht gezeigt, aber als ich mir vorgenommen über dieses Buch zu schreiben, habe ich es direkt mal aus dem Regal geholt und mit Bücherwürmchen angeschaut und zwar den ganzen Tag über immer wieder. Und das Schönste ist bücherwürmchens Strahlen, in dem Moment, in dem Franz zum Löwen geht. Da leuchtet sein ganzes Gesicht und glücklich spricht er die letzten Worte im Buch mit: „…denn Franz war und blieb sein bester Freund.“

Dergluecklicheloewe

 

Viel Spaß mit Onkel Tobi – Alle Geschichten in einem Band von Hans Georg Lenzen und Sigrid Hanck, C. Bertelsmann, ISBN: 978-3570120897, 15 €

Der Glückliche Löwe von Louise Fatio und Roger Duvoisin, KeRLE bei Herder, ISBN: 978-3451705786, 12,95 €

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