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Eine Kinderbuchreihe für Pflegekinder: Enna

(Rezensionsexemplare) In modernen, neuen Kinderbüchern werden viele wichtige Themen, die Kinder im Alltag beschäftigen behandelt. Dazu gehören durchaus auch schwierigere Themen wie Krankheiten, Trennungen von Eltern oder auch Rassismus. Tatsächlich gibt es aber nicht all zu viele Bücher, in denen Pflegekinder im Mittelpunkt stehen und dabei betrifft dieses Thema durchaus viele Kinder.

Umso erfreulicher ist es, dass es nun aus Österreich eine neue Reihe (“Enna“) gibt, die damit wirbt, dass sie erzählt, „was Pflegekinder fühlen“.  Wir dürfen davon ausgehen, dass die Autorin Marie Anhofer weiß, wovon sie spricht, denn sie wuchs selbst bei Pflegeeltern auf.

Das Leben von Pflegekindern kann sich sehr stark voneinander unterscheiden. Die Gründe, warum ein Kind aus der Ursprungsfamilie genommen wird, sind verschiedene, das Alter, wann ein Kind in eine Pflegefamilie kommt kann von Säugling bis zu Teenager reichen und die Pflegefamilie ist bei einem Kind liebe- und verständnisvoll, während es einem anderen Kind in seiner Pflegefamilie leider gar nicht gut geht. Aber dennoch spielen häufig die gleichen Gefühle eine Rolle und diese werden in der „Enna“-Reihe von Marie Anhofer in den Mittelpunkt gestellt.

Dier ersten zwei Enna-Bände

Im ersten Band „Enna … und plötzlich war alles ganz anders“ kommt Enna in die Pflegefamilie. Familie Sonnenschein besteht aus den Eltern sowie den Geschwistern Meira und Leo und von nun an auch Enna. Für Enna ist erst einmal alles neu und anders. Sie ist verunsichert und ängstlich. Das Einzige, was ihr aus ihrem bekannten Leben geblieben ist, ist ein roter Rucksack mit ein paar Gegenständen, der sie überallhin begleitet.

Im zweiten Band „Enna in großer Verzweiflung“ lesen wir ein paar Alltagsgeschichten aus dem Leben des fünfjährigen Kindes. Es sind ganz normale Geschichten wie eine Geburtstagsfeier oder wie Enna zaubert, wobei sie befürchtet, dass sie die Katze Fluffy weggezaubert hat. Verzweifelt sucht sie die Katze und versteckt sich am Ende selbst in einer kleinen Hütte.

Gefühle von Pflegekindern

Während der erste Band auf die Situation eingeht, wie ein Kind in eine Pflegefamilie kommt (wobei wir nicht erfahren, was in der Ursprungsfamilie vorgefallen ist) und somit ganz klar die besondere Lage von Pflegekindern in den Blick genommen wird, geschieht dies im zweiten Band erst auf den zweiten Blick. Denn alltägliche Situationen können für Pflegekinder beängstigender sein als für andere Kinder. Ihnen fehlt das Vertrauen und die Sicherheit immer geliebt zu werden.

Mir gefällt bei beiden Büchern sehr gut, wie die verschiedenen und auch widersprüchlichen Gefühle von Enna thematisiert werden. Vielleicht denkt man von außen, das es dem Kind doch gutgehen muss, wenn es aus einer schwierigen Situation herausgenommen und in eine liebevolle Familie gebracht wird. Dabei vergisst man aber, dass für das Kind alles ungewohnt und neu ist. Dass es seine bekannte Familie, seine bekanntes Umfeld von einem Tag auf den anderen aufgeben muss. Es muss sich auf neue Menschen einlassen, neue Regeln lernen und neu Vertrauen aufbauen. Und so ist es gut verständlich, dass ein Pflegekind wütend, ängstlich, aber auch in manchen Situationen fröhlich und ausgelassen ist. Auch die immer wiederkehrende Sorge vor Ablehnung spielt eine Rolle. Dies alles zeigen die Bücher gut auf und man kann sich gut in Enna hineinversetzen.

Verständnisvolle und unterstützende Pflegefamilie

Mich freut sehr, dass Enna in eine verständnisvolle Familie gekommen ist, die sich an allen Stellen sehr bemüht Enna entgegen zu kommen und ihr das Leben leichter zu machen. Fast alle aus dem neuen Dorf heißen Enna herzlich willkommen und helfen ihr in ihrer neuen Umgebung zurecht zu kommen.

Das Buch ist insbesondere in Hinblick auf die Familie ein positiver Leitfaden, wie Gefühle von Pflegekindern angenommen und thematisiert werden können, wie man dem Kind dabei hilft, sich willkommen zu fühlen und dass man dies dem Kind auch immer wieder sagt. Dabei bleibt das Buch auch in Form einer übergriffigen Nachbarin realistisch. Die Nachbarin macht vor dem Kind blöde Sprüche und prophezeit der Familie Probleme mit Enna. Aber auch hier handeln die Pflegeeltern wieder toll. Sie stellen sich vor das Kind und weisen die Sprüche entschieden zurück.

Die Bücher können Pflegekindern Hoffnung geben. Sie sind mit ihrer Geschichte nicht alleine. Ihre Gefühle werden ernst genommen und in diesem Buch gibt es Menschen, die sie so annehmen wie sie sind und die ihnen Liebe schenken.

Illustrationen und Kritikpunkte

Die Bücher sind farbig illustriert, wobei es nicht auf jeder Seite etwas zu gucken gibt. Etwas schade finde ich es, dass die Familie etwas klischeehaft ist (Mama ist zu Hause, Papa arbeitet etc.) und es in den Büchern nur Weiße Menschen gibt. Der Preis ist für ein Buch mit 40 Seiten leider auch recht hoch (Hinweis: grundsätzlich bin ich kein Fan von E-Books bei Kinderbüchern, aber diese Bücher sind zu einem deutlich günstigeren Preis auch als E-Books verfügbar).

Fazit und Empfehlung

Insgesamt möchte ich diese Reihe insbesondere für betroffene Kinder trotz der Anmerkungen empfehlen, denn es ist wichtig, dass sie sich mit ihren Gefühlen in Büchern widerfinden können. Gerade die Authentizität ist in den Büchern gut spürbar und die Emotionen werden gut verständlich und nachvollziehbar erzählt.

Enna … und plötzlich war alles ganz anders von Marie Anhofer, illustriert von Eugenia Zhakupova, Buchschmiede von Dataform Media GmbH, ISBN: 978-3-99181-491-7

Enna in großer Verzweiflung von Marie Anhofer, illustriert von Eugenia Zhakupova, Buchschmiede von Dataform Media GmbH, ISBN: 978-3-99181-677-5

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