Rezension: Der Sommer, als wir die Weltherrschaft übernahmen
(Rezensionsexemplar) Wie stellt ihr euch Sommerferien auf einer kleinen Nordseeinsel vor? Bestimmt nicht so, wie die Zwillinge Fili und Karo sowie ihr kleiner Bruder Jeps sie in dem Kinderbuch „Der Sommer als wir die Weltherrschaft übernahmen“ erleben.
Hatten sie etwa schlechte Ferien? Keinesfalls, aber damit, dass Tante Flora sich den Fuß brechen und aufs Festland müsste, hatten sie bestimmt nicht gerechnet. Und auch, dass Tante Flora mittlerweile Bürgermeisterin war, wussten sie noch nicht. Dass der Nachbar Böckmann mit Tante Floras Plänen nicht einverstanden ist, erfahren sie dahingegen jedoch recht schnell. Tante Flora möchte den Autoverkehr auf der Insel abschaffen und hat die Idee, Esel und Kutschen einzusetzen. Bei jeder Gelegenheit wettert Böckmann dagegen, vor allem ab dem Moment, an dem Tante Flora für längere Zeit nicht auf der Insel ist. Da ist es doch ziemlich klar, dass die Kinder sich für Tante Flora und ihr Anliegen einsetzen müssen. Und so werden die Ferien eben ganz anders als erwartet.
Ferienlektüre mit Umwelt- und Politikthema
Ja, die Ferien bestehen in diesem Buch nicht nur aus Eisessen, baden, spielen, Picknick etc., aber dennoch spürt man die Sommerferienatmosphäre in diesem Buch. Es ist keinesfalls eine schwere Lektüre, auch wenn Themen wie Politik, Demokratie und Umweltschutz eine wichtige Rolle spielen. Die Mischung ist hier wirklich gut gelungen.
Tolle Charaktere
Toll sind vor allem die Kindercharaktere, die alle sehr unterschiedlich sind. Sowohl die drei Geschwister als auch Kinder von der Insel. Stets halten sie zusammen. Durch ihre Eigenschaften werden verschiedene Möglichkeiten aktiv zu werden angesprochen. Besonders diplomatisch möchte die Ich-Erzählerin vorgehen. Sehr realistisch wird gezeigt, dass es leider nicht immer so einfach ist, auf diese Weise weiter zu kommen.
Ein bisschen unrealistisch ist es dahingegen, dass die Kinder ohne Tante Flora und ohne Eltern auf der Insel bleiben. Zwar haben andere Erwachsene einen Blick auf sie, dennoch finde ich das insbesondere hinsichtlich des kleinen Bruders doch ziemlich gewagt. Insgesamt stört mich das jedoch nicht, denn ein Kinderbuch muss aus meiner Sicht auch nicht alles realistisch darstellen. Und als Leser:in kann man so von einem Sommer träumen, in dem man alleine ein Abenteuer erlebt – auch wenn man dies nie so erleben wird.
In dem Buch befinden sich schwarz-weiß Illustrationen von Regina Kehn, die die Lektüre auflockern und gut zur Geschichte passen.

Der Sommer, als wir die Weltherrschaft übernahmen von Rieke Patwardhan, illustriert von Regina Kehn, Knesebeck, ISBN: 978-3-95728-911-7

Es klingt nach einem fast klassischen Kinderbuchplot. Ist das Buch ab 8?