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Rezension: Kindersachbuchreihe Dusty Diggers

Kennt ihr eigentlich schon die Kinderbuchreihe „Dusty Diggers“, also „staubige Schatzgräber“? Mittlerweile sind von dieser Sachbuchreihe rund um Archäologie bereits 7 Bände erschienen. Bevor ich euch mehr über die Art der Bücher erzähle und euch darlege, warum ich sie so großartig finde, stelle ich euch kurz die Themen der einzelnen Bände in der Reihenfolge ihres Erscheinens vor.

Auf der Jagd nach der krassesten Pizza der Bronzezeit – Die geheimnisse der Himmelsscheibe von Nebra

Zwar waren hier Menschen auf der Suche nach besonderen Schätzen, aber mit der Himmelscheibe von Nebra haben sie nicht gerechnet. Sie ist ein Zufallsfund, der zunächst nicht ordnungsgemäß gemeldet wird. Heimlich wird sie verkauft und einige Hehler hängen schnell in der Sache mit drin. Es dauert eine Weile bis sie an der richtigen Stelle ankommt und erforscht werden kann, was es überhaupt mit ihr auf sich hat und von wann sie eigentlich stammt.

Gekrächze aus der Urzeit – Das Geheimnis des Urvogels Archaeopteryx

Der erste Fossilienfund eines Archaeopteryx wurde von einem Arbeiter in einem Steinbruch dafür verwendet, seine Arztkosten zu bezahlen. Die Entdeckung dieses Fossils ist für die Wissenschaft sehr bedeutsam, dennoch wurde dieser Fund nicht von allen bejubelt. Manch einem ging es nur darum mit dem Fossil Geld zu machen, andere hatten wissenschaftliches Interesse daran und wieder andere wollten nicht, dass die Öffentlichkeit darüber erfährt. Auch Darwin und seine Evolutionstheorie spielen hier eine Rolle, allerdings gibt es Menschen, die nicht möchten, dass diese Theorie mit einem Beweis untermauert wird.

Wilde Wikinger in Sicht – Das Geheimnis von Haithabu

Der Entdecker von Haithabu hat schon als kleiner Junge davon geträumt, mehr über die Wikinger und frühere Zeiten zu erfahren. Als er dann als Erwachsener tatsächlich die Stelle findet, an der es eine Siedlung gegeben haben muss, wendet er sich an die Museumsdirektorin in Kiel. Diese lässt Ausgrabungen machen, denn sie möchte ebenfalls mehr über die Menschen damals erfahren. Die Ausgrabungen und Entdeckungen ziehen sich über viele Jahre mit einigen Unterbrechungen der Arbeit. Verschiedene Menschen mit unterschiedlicher Motivation haben die Leitung über die Ausgrabungen. Schließlich erkennt jemand den Wert darin, Haithabu zu rekonstruieren und ein Museum zu errichten.

Die mausetoteste Mumie aus dem alten Ägypten – Das Geheimnis von Tutanchamun

Das Grab von Tutanchamun wurde jahrelang von Howard Carter im Tal der Könige gesucht. Langsam wird das Geld dafür knapp, doch dann entdeckt ein Wasserträger eine Steinplatte und die Stufen, die in den Berg hineinführen. Was für eine Entdeckung! Doch bis das Grab und die Mumie von Tutanchamun tatsächlich gefunden werden, vergeht noch einiges an Zeit. Schritt für Schritt geht es durch verschiedene Kammern voller Schätze, die zunächst dokumentiert und weggetragen werden müssen. Auch als die Mumie dann gefunden wird, steht noch einiges an Arbeit an und es gibt einiges über Tutanchamun herauszufinden.

Der cool tätowierte Jäger aus der Steinzeit – Das Geheimnis von Ötzi

Durch geschmolzenes Gletschereis entdecken zwei Wanderer zufälligerweise die Leiche. Zunächst weiß niemand, um wen es sich dabei handelt und bei den Bergungsversuchen wird nicht besonders vorsichtig mit ihr umgegangen. Auch werden weitere Fundstücke achtlos angefasst oder sogar mitgenommen. Als dann herausgefunden wird, wie alt die Mumie wirklich ist, ist das Erstaunen groß. Nun beginnt das große Forschen: Was können wir an Ötzi über die Steinzeit lernen? Wie ist er gestorben? Was kann man alles an seinem Körper feststellen?

Die angesagteste Imbissbude der Römerzeit – Das Geheimnis von Pompeji

Wie wir alle wissen, wurde die römische Stadt Pompeji durch einen Vulkanausbruch mit Asche entdeckt. Der erste, der jedoch 1592 die Stadt entdeckt, möchte darüber gar nicht sprechen. Erst über 100 Jahre später beginnen die ersten Ausgrabungen, dabei geht es zunächst eher um die verborgenen Schätze, als darum zu erfahren, wie das Leben früher war. Auch geht nicht jeder Ausgräber planvoll und vorsichtig vor. Verschiedene Menschen sind für die Ausgrabungen zuständig, verschiedene Methoden und Schwerpunkte haben Vorrang. Auf jeden Fall erfährt man immer mehr über das Leben in der Römerzeit.

Der rätselhafte Verwandte aus der Eiszeit – Das Geheimnis vom Neandertaler

Die Entdeckung der Neandertaler war ein zufälliger Fund durch italienische Steinhauer, die mit den Knochen nicht gut umgingen. Zu dem Zeitpunkt des Fundes wusste man noch nicht, wie lange es schon Menschen gab und konnte sich überhaupt nicht vorstellen, dass es sie schon so lange gibt. Auf diese Weise dauert es auch eine ganze Weile bis man erkennt, was man da für Knochen vor sich hat und was dieser Fund für die Wissenschaft bedeutet.

Ausgangspunkt ist immer der Fund

Mir gefällt an den Büchern richtig gut, dass die Themen hier alle von der archäologischen Seite aus betrachtet und erzählt werden. Klar, Urzeit, Steinzeit, Eiszeit, Bronzezeit, die alten Ägypter sowie die Römer oder Wikinger sind alles Themen, die Kinder interessieren und über die man viel erzählen kann. Es gibt auch viele Kindersachbücher dazu. Hier ist aber der Ausgangspunkt ein anderer als bei vielen anderen Büchern. Es beginnt mit besonderen Funden und Entdeckungen und darum, wie damit umgegangen wird.

Empfehlung: Die ganze Reihe lesen!

Ich kann tatsächlich empfehlen die ganze Reihe mal mit den Kindern zu lesen. Wenn ein Kind ein besonderes Interesse an den Wikingern hat, lässt sich natürlich auch der Einzelband problemlos lesen. Wenn man aber die ganze Reihe liest, bekommt man wirklich einen interessanten Einblick in die Arbeit von Archäolog:innen. Es ist unglaublich interessant zu lesen, wie mit Funden umgegangen wird, mit was für Hürden Entdecker:innen rechnen müssen, wie schlecht und falsch manchmal mit historischen Dingen umgegangen wird oder auch inwiefern Gelder und Macht bei diesem Thema immer wieder eine Rolle spielen. Auch ist es spannend zu sehen, dass der eine oder andere Fund sehr zufällig gefunden wurde, während nach anderen Dingen jahrelang gesucht wurde.

Liest man alle Bänder der Reihe wird man auch feststellen, dass bestimmte Entdeckungen besonders wichtig für andere waren und wie manche Sachen miteinander zusammenhängen. So spielt zum Beispiel Darwin sowohl bei der Entdeckung des Neandertalers als auch beim Archaeopteryx eine Rolle.

Aufbau der Bücher

Alle Bücher sind ähnlich aufgebaut: Zunächst geht es um die Entdeckung des Fundes, dann darum wie weiter mit der Sache umgegangen wird. Man bekommt auf einer Doppelseite ein paar Informationen und Fakten zu dem Fund und anschließend äußern sich verschiedene Fachleute dazu. Dabei kommen Menschen aus verschiedenen Wissenschaften zu Wort, z.B. sagt bei dem Ötzi-Band ein Glaziologe etwas zum Schmelzen der Gletscher oder eine Künstlerin spricht darüber, wie sie auf Grundlage der Wissenschaft Neandertaler plastisch und realistisch darstellt. Anschließend erfährt man noch einiges zu der jeweiligen Zeit, aus der der Fund stammt, es wird berichtete, was aus einigen Personen, die etwas mit dem Fund und dessen Verbreitung zu tun hatten, im weiteren Verlauf wurde, und auf einer Doppelseite sieht man im Schatzsucher-Handbuch wichtige Gegenstände von Archäolog:innen (z.B. Absperrband, Hacke, Kamera, Zahnbürste, Bleistift und Pinsel).

Im Glossar findet man viele schwierigere Begriffe aus den Texten, die noch mal erklärt werden. Je nach Buch bekommt man hier auch weitere Informationen z.B. zu den Regelungen rund um Grabungen.

Insgesamt gefällt mir gut, dass bei den Fachleuten häufig Frauen dargestellt werden, insbesondere da diese bei den Entdeckungen leider selten eine Rolle spielten. Hier ist unter anderem die Museumsdirektorin in Kiel, die als eine der ersten Frauen in Deutschland ein Museum geleitet hat, eine positive Ausnahme (sie spielt bei den Grabungen in Haithabu bzw. bei deren Beauftragung eine wichtige Rolle).

Spannend, informativ und humorvoll

Die Bücher sind spannend aufgebaut. Dabei ist der Erzählton locker, ansprechend und durchaus auch mal humorvoll. Die Illustrationen passen stilistisch gut dazu. Sie wirken pfiffig, witzig und auflockernd, sind aber genauso informativ. An manch einer Stelle verdeutlichen sie das Geschriebene sehr anschaulich. Ab dem zweiten Band begleiten Kinder am Rand die Szenen. Dabei kommentieren sie das Geschehen mit lustigen Einwürfen.

Insgesamt macht es unglaublich viel Spaß diese Bücher zu lesen. Und ganz nebenbei erfährt man sehr viel über die jeweiligen Funde und Zeiten. Ich persönlich war ja tatsächlich überrascht darüber, dass der Beleidigungen-Wettbewerb, von dem ich immer wieder auf der CD vom kleinen Drachen Kokosnuss und den starken Wikingern bei Autofahrten gehört habe, wohl wirklich eine Wettkampfart der Wikinger war.

Autorin, Illustratorin und Verlag

Alle Bücher aus der Dusty Diggers-Reihe wurden von Silke Vry geschrieben und von Marie Geissler illustriert. Erschienen sind sie beim E. A. Seemann Verlag (E. A. Seemanns Bilderbande).

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